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Einführung in die Publizistikwissenschaft

Welche Funktion haben Intermediäre in der Medienkommunikation?

Sie vermitteln Inhalte zwischen Anbietern und Nutzern durch Aggregation, Selektion und Präsentation.

Wie unterscheidet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk vom privat-kommerziellen Rundfunk in Deutschland?

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk dient dem Public Value mit gesellschaftlichem Nutzen, privat-kommerzieller Rundfunk verfolgt Reichweiten- und Kapitalziele.

Was kennzeichnet das demokratisch-korporatistische Mediensystem?

Es verbindet staatsnahe Strukturen mit pluralistischer Pressefreiheit, typisch für nordeuropäische Länder wie Deutschland.

Warum wird das Internet nicht als klassisches Medium im Sinne journalistischer Vermittlung betrachtet?

Weil es hauptsächlich Plattformen mit algorithmischer Vermittlung bietet, keine journalistische redaktionelle Selektion.

Was sind die Merkmale von Interpersonaler Kommunikation?

Wechselseitigkeit, Intentionalität, Sprachlichkeit, Anwesenheit und Reflexivität.

Was beschreibt das Konzept „Incidental News Exposure“?

Ungeplante oder zufällige Mediennutzung, bei der Nachrichten als Nebenprodukt wahrgenommen werden.

Welche Dimensionen der Medienrezeption werden unterschieden?

Kognitive, aaektive (emotionale) und konative (handlungsbezogene) Prozesse.

Was besagt die Kultivierungsthese in der Medienwirkungsforschung?

Wiederholter Medienkonsum führt zu verzerrten Realitätsvorstellungen und daraus resultierenden Einstellungen.

Wie unterscheiden sich staatliche Regulierung und Selbstregulierung im Medienbereich?

Staatliche Regulierung erfolgt durch Gesetze und Durchsetzung, Selbstregulierung durch freiwillige Maßnahmen der Medienunternehmen.

Welche Rolle spielen algorithmische Kuration und persönliche Kuration bei der Nachrichtenvermittlung?

Algorithmische Kuration wählt Inhalte nach Plattformlogik, persönliche Kuration nach individuellen Interessen.

Welche Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis zur Nachricht wird laut Nachrichtenfaktoren?

Ereignisfrequenz, Bedeutsamkeit, Personalisierung, Negativismus und Überraschung.

Welche methodischen Ansätze werden zur Untersuchung von Medienqualität genutzt?

Inhaltsanalysen, Befragungen und Vergleich von Medienangeboten aus Anbietersicht und Publikumssicht.

Wie wird der Begriff "mediale Öffentlichkeit" im Spiegelmodell von Luhmann beschrieben?

Als Funktionssystem der Gesellschaft mit Selbstbeobachtung und Reflexion ohne Herstellung einer einheitlichen Meinung.

Welche Merkmale kennzeichnen das Medienrepertoire eines Individuums?

Nutzungszentriert, ganzheitlich und relational bezüglich der Auswahl aller Medienkanäle und deren Verhältnis zueinander.

Was ist eine parasoziale Interaktion (PSI) in der Mediennutzung?

Die Illusion einer einseitigen, aber sozial wahrgenommenen Interaktion mit Medienfiguren.

Was versteht man unter empirischer Prüfbarkeit in den empirischen Wissenschaften?

Theorien müssen an der Realität scheitern können, um überprüfbar zu sein.

Welches Kommunikationsmodell berücksichtigt explizit die Rückkopplung in der Kommunikation?

Interpersonales Kommunikationsmodell mit wechselseitigem Prozess.

Welche Aussage über natürliche und künstliche Zeichen trifft zu?

Natürliche Zeichen sind nicht absichtlich erzeugt, während künstliche Zeichen Symbol oder Ikon sein können.

Was charakterisiert Massenkommunikation im Gegensatz zur interpersonalen Kommunikation?

Massenkommunikation ist einseitig, technisch vermittelt und richtet sich an ein disperses Publikum.

Was beschreibt das Eisbergmodell der Kommunikation?

Nur ein kleiner Teil der Kommunikation ist bewusst und sichtbar (ca. 10%), der Großteil unbewusst und unsichtbar.

Welche vier Seiten der Kommunikation beschreibt das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun?

Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis, Appell.

Was versteht man unter Symbolischem Interaktionismus in der Kommunikationswissenschaft?

Bedeutungen entstehen durch soziale Interaktion, sind sozial konstruiert und verändern sich interpretativ.

Was kennzeichnet Massenkommunikation laut der Definition?

Öffentlich, technisch verbreitet, indirekt, einseitig oder asymmetrisch mit eingeschränkter Rückkopplung an ein disperses Publikum.

Welches Modell umfasst die Wechselwirkungen zwischen Kommunikator, Medium, Aussage und Rezipient?

Feldschema von Maletzke.

Was bedeutet die Anzeigen-Auflagen-Spirale bei Printmedien?

Eine steigende Reichweite erhöht Werbeeinnahmen, was Investitionen und Qualität steigert, wodurch die Reichweite weiter wächst.

Was zeichnet die high-choice Medienlandschaft aus?

- Kommunikatoren: potenziell jeder
- Inhalt: wird vorwiegend personalisiert und algorithmisch ausgewählt; wird auf Plattformen integriert (losgelöst von ursprünglicher Quelle)

- Stil: Modalitäten wie Bilder und Video werden häufig gegenüber Text bevorzugt; kurze Posts (u.a. aufgrund von festgelegten Längen, Konkurrenz um Aufmerksamkeit)

- Kanal: Vielzahl an Kanälen mit unterschiedlichen Funktionen, Modalitäten, etc.

- Funktion: „Erleben von Informationen“; nebeneinander von Informationen, Unterhaltung und Werbung/PR

Über welche Formen der Kuration gelangen Nachrichten zum Publikum?

- Journalistische Kuration: Orientierung an professionell-journalistischen Normen
- Algorithmische Kuration: Orientierung an kommerzieller Plattformlogik (z.B. Nutzendendaten)

- Soziale Kuration: Two-Step-Flow: Kontakt zu Medieninhalten vermittelt durch Freunde, Bekannte & Familie

- Persönliche Kuration: Orientierung an individuellen Interessen und Bedürfnissen

- Strategische Kuration: Orientierung an individuellen Interessen und Bedürfnissen

Grenzen zwischen den verschiedenen Formen der Kuration verschwimmen

Potentiale (mehr Vielfalt)

Gefahren (Filterblasen)

Was bedeutet journalistische Sorgfaltspflicht?

- Wahrheitsgehalt prüfen, unbestätigte Meldungen, Vermutungen und Gerüchte als solche erkennbar machen
- Man darf die Menschenwürde nicht verletzen

- Persönlichkeitsrechte beachten

Welche Folgen haben digitale Möglichkeiten der Publikumsbeteiligung für den Journalismus?

Chancen:
- Engere Publikumsbindung, einfachere Interaktionsmöglichkeit

- Vertrauensbildung

- Günstige Marktforschungsmöglichkeiten

Risiken:

- Starke Orientierung an digitalen Nutzungsmetriken (Klicks, Likes, Shares...)

- Aufwendige Moderation der Kommentarspalten

- Hasskommentare gegen Journalisten

Gatekeeping:

- Ein Prozess, der nach den Gründen der Auswahl und der Präsentation von Themen, Ereignissen und Ereignisaspekten an verschiedenen Stufen des Informationsflusses fragt
- Selektives Gatekeeping: Entscheidung, welche Informationen überhaupt berichtet werden

- Quantitatives Gatekeeping: Entscheidung, wie umfangreich über ein Thema berichtet wird

- Qualitatives Gatekeeping: Entscheidung, wie Informationen platziert und präsentiert werden

- In der High-Choice Medienlandschaft: Unidirektionaler Informationsfluss vom Ereignis zu den Rezipienten sowie Journalismus als Gatekeeper verliert an Bedeutung/ nichtlinearer Kommunikationsprozess/ Bedeutungszuwachs von algorithmischem Gatekeeping/ Publikums Gatekeeping

Wie unterscheiden sich akteurzentrierte und variablenzentrierte
Modelle der Nachrichtenauswahl?

- Akteursorientiert: Journalisten, Eigentümer, Manager, Anzeigekunden, Politische Machtgruppen, Wirtschaftliche Machtgruppen, Öffentlichkeit im Verbreitungsgebiet
- Variableorientiert: Eigenschaften von Ereignissen, Zuschreibungen zu Ereignissen, Eigenschaften von Nachrichten, Zuschreibungen zu Nachrichten

Welchen Einfluss können Nachrichtenfaktoren auf die
Nachrichtenselektion haben?

- Nachrichtenfaktoren: Frequenz, Schwellenfaktor, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität, Variation, Bezug auf Elite-Nation, Bezug auf Elite-Personen, Personalisierung, Negativismus
- Selektivität: Je mehr ein Ereignis einem/mehreren der aufgeführten Kriterien entspricht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Nachricht wird

- Verzerrung (distortion): Die Merkmale, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen, werden akzentuiert

- Komplementarität: Wenn ein Ereignis eines/ einige der Kriterien nicht oder nur in geringem Maße erfüllt, müssen die anderen Faktoren in um so stärkere Maße zutreffen, damit ein Ereignis zur Nachricht wird

- Additivität: Je mehr der Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto größer ist seine Chance, zur Nachricht zu werden

- Replikation: Selektivität und Verzerrung finden auf alles Stufen des Nachrichtenflusses statt, von der Beobachtung des Ereignisses über Übermittlung und Weiterverarbeitung bis zur Veröffentlichung. Die Wirkung dieser Mechanismen verstärkt sich im Nachrichtenfluss (Je mehr Übermittlungsstadien desto größer die Verzerrung)

Welche wissenschaftlichen Positionen finden sich zum Verhältnis
von Realität und Medienrealität?

- Realismus: Realität prinzipiell erkennbar und objektivierbar und daher medial wiedergebbar
o Medien als Abbild der Realität

o Realität und Medienrealität vergleichbar

- Konstruktivismus: Realität nicht objektiv erkennbar, sondern eine Konstruktion von Menschen (radikaler Konstruktivismus)

o Medien als Weltbildapparate, die unterschiedliche Realitätskonstruktionen vermitteln

o Realität und Medienrealität nicht vergleichbar und Angemessenheit der Realitätsdarstellung nicht möglich

- Moderater Realismus: Medienrealität selektives und verzerrtes Bild oder Rekonstruktion der Realität

o Angemessenheit von Rekonstruktionen prinzipiell überprüfbar und Vergleich von Rekonstruktionen möglich (Konsensprüfung)

Wie lassen sich Realität und Medienrealität vergleichen und welche Anforderungen müssen gegeben sein?

- Mit Extra-Medien-Daten, Anforderungen an Ereignisse:
o Ereignisse klar erkennbar, räumlich und zeitlich begrenzt

o Relevanz der Ereignisse für die Berichterstattung

o Genuine Ereignisse, d.h. Auftreten des Ereignisses muss unabhängig von der Berichterstattung sein

- Anforderungen an Extra-Mediendaten:

o Kontinuierliche Datenverfügbarkeit

o Konstante Erfassungsmodalitäten, z.B. unveränderliche Messungen und Dunkelziffern, problematisch bei Arbeitslosigkeit, Kriminalität

- Anforderungen an die Inhaltsanalyse:

o Hinreichend große Stichproben im Zeitverlauf der auftretenden Ereignisse

o Erfassung von berichteten Ereignissen analog zur Erfassung bei Extra-Mediendaten (Validität)

o Konstanz der Messung im Zeitverlauf

Drei Klassen von Ereignissen:

- Genuine Ereignisse: geschehen, ohne inszeniert oder medial beeinflusst zu sein (Naturereignisse)
- Inszenierte Ereignisse: zum Zwecke der Publikation erzeugt (Parteitage, Pressekonferenz)

- Mediatisierte Ereignisse: wäre auch ohne Anwesenheit der Medien passiert, aber mediengerecht wird es aufbereitet (Olympiade)

Der Framing-Ansatz:

- Aktuelle Ereignisse werden in einem bestimmten „Rahmen“ gestellt und bestimmte Aspekte des Themas hervorgehoben (und andere ausgelassen)
- Strategisches Framing: zielt darauf ab, partikulare Sichtweisen, Lösungen und Interpretationen in der Medienberichterstattung durchzusetzen

- Medien-Frames: spezifisches Muster von Problemdefintionen, Verantwortungszuschreibungen, Bewertungen und Handlungsanweisungen

- Z.B. Art der Kontextualisierung eines Themas:

o Thematisches: allgemeiner abstrakter Kontext/ Hintergrund vs.

o Episodisches Framing: exemplarische oder ereignisorientierte Illustration

Was ist ein Mediensystem? Was ist eine Medienstruktur?

- Mediensystem = Gesamtheit von Ordnungen oder Strukturen, die Medien in einem definierten Raum, zumeist einem Staat, charakterisieren (wenn man das Ganze betrachtet)
- Medienstrukturen = organisatorische (Meso-Ebene) und gesellschaftliche Bausteine und Elemente (Makroebene) eines Mediensystems (Zoomt man hinein auf die einzelnen Bausteine und Aspekte davon)

Mit welchen anderen Systemen steht das Mediensystem in Interdependenz?

- Kultur (Alphabetisierung, Werte)
- Wirtschaft (Werbeträger, Wirtschaftskrisen)

- Technik (Fernsehempfang Internet)

- Recht (Pressefreiheit, EU-Richtlinien)

- Politik (System Zensur, Regierungswechsel)

- Geschichte (Revolution, DT. Wiedervereinigung)

- Mediensysteme verändern sich stetig in Abhängigkeit der Veränderung ihrer Umwelt. Beispiel: Schnell-voranschreitende digitale Innovation

o 1) Gattungen und Medienakteure -> Neue Intermediäre z.B. Suchmaschinen, Algorithmen, KI, Zunehmende Plattform- und Creatorlogiken

o 2) Wirtschaftliche Grundlangen (Finanzierung) -> Wandel des Werbemarktes, sinkende Einnahmen traditioneller Presseerzeugnisse, Mehrsäulen-Modelle (Abo, Spenden, Produktverkäufe, Werbung)

o 3) Rechtliche Grundlagen (Selbstregulierung, Internationale Struktur des Internets: Rechtliche Grundlagen und Durchsetzung über Länder hinweg? Zunehmende Relevanz von Daten -> Datenschutz?!

Mit welchen Themen befasst sich die (vergleichende) Mediensystemforschung?

- Beschreibung von Mediensystemen und ihrer Dynamik
- Betrachtung der Mikro-, Meso- und Makroebene: vom Individuum über Organisationen/ Institutionen bis zu Systemen

- Mediensystemforschung betrachtet:

o Die Funktionen der Medien und wie sie diese erfüllen

o Die ökonomischen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen

o Die technische Basis

o Die Organisationen des Mediensystems und Strukturen im Mediensystem

o Die historisch entstandenen Strukturen der Medien

o Das Wechselverhalten zwischen Mediensystem und Gesellschaft

Welche Mediensystemmodelle gibt es?

- Polarisiertes-pluralistisches Modell (mediterran)
- Demokratisch-korporatistisches Modell (nordeuropäisch)

- Liberales Modell (nordatlantisch)

Welchem Typ von Mediensystem wird Deutschland zugeordnet?

- Nordeuropäisches oder demokratisch-korporatistisches Modell

Was sind die Unterscheidungsmerkmale von Printmedien?

- Periodizität: Erscheint in festem Rhythmus (täglich/ wöchentlich) unter verlässlichen, institutionellen Bedingungen. -> Presse sollte regelmäßig und planbar erscheinen
- Aktualität: Grad der Zeitnähe: schnell, nah am aktuellen Geschehen in der Welt/ entkoppelt, mehr Einordnungen -> Erwartungen von Redaktion & Publikum

- Universalität: thematische Breite (=General Interest) versus Spezialisierung/ Fokussierung (=Special Interest) -> Breit für alle, spezifischer für Interessensgruppen

- Publizität: Öffentlicher Zugang zu den Inhalten/ Paywalls( Abos beschränken Öffentlichkeit auf bestimmte Teile -> stellt Möglichkeit öffentlicher Meinungsbildung sicher

Was bedeutet es, dass Medien Koppelprodukte sind?

Printmedien bedienen als Koppelprodukte zwei Märkte: Publikumsmarkt und Werbemarkt

Was besagt die Anzeigen-Auflagen-Spirale?

- Es gibt Wechselwirkungen zwischen den beiden Absatzmärkten werbebasierter Medien
- Steigt die Reichweite eines Mediums, steigt auch das Interesse von Formen an einer Anzeigenplatzierung in dem jeweiligen Medium

- Das Steigert die Werbeeinnahmen des Mediums, da Anzeigen zu höheren Preisen vertrieben werden können

- Die höheren Gewinne wiederum ermöglichen höhere Investitionen, die sich in einer höheren Qualität des Mediums niederschlagen können, was wieder zu einer höheren Reichweite führt

- Diese wiederholte Bedingung des einen durch das andere erzeugt eine Spiralwirkung

- Reichweite -> Werbeeinnahmen -> Investitionen -> Qualität -> Reichweite …

- Die Anzeigen-Auflagen-Spirale kann allerdings auch negative Effekte als Abwärtsspirale verstärken: Eine niedrige Auflage führt laut dem Modell zu geringeren Einnahmen, die zu einer, durch Einsparungen bedingten, geringeren Qualität führen können, was auf lange Sicht zu einem weiteren Rückgang der Reichweite führt.

Was charakterisiert das deutsche Rundfunksystem?

- Hörfunk und Fernsehen
- Ab 1984 Dualer Rundfunk: öffentlich-rechtliche Sender und privat-kommerzielle Sender

- Öffentlich-rechtlicher Rundfunk = öffentliche Anstalten, die sich selbst verwalten

o Ziele: Nutzen für die ganze Gesellschaft (Public Value)

o Wirtschaftlich vernünftige und effiziente Erfüllung ihrer Funktionen

- Privat-kommerzieller Rundfunk = kommerzielle Unternehmen

o Ziel: Erwirtschaftung von Kapital

o Reichweitenorientiert

o Keine besondere gesellschaftliche Kontrolle

o Geringe normative Anforderungen an das Programm

o Beaufsichtigung durch Landesmedienanstalten

- Aufgaben der Medienanstalten in Deutschland: Rundfunk ist Ländersache, mit Regelungen zu Organisation und Kontrolle der privaten Rundfunkanbieter in Landesmediengesetzen

- Aufgaben der 14 Landesmedienanstalten: Genehmigung, Beaufsichtigung und Weiterentwicklung des privaten Rundfunks in Deutschland

Programmtypen:

- Vollprogramme: Universalitätsanspruch → alle Inhalte (Nachrichten, Unterhaltung, Information,)
- Spartenprogramme: Thematisch und zielgruppenspezifische Angebote → fokussiert auf einzelne Themen, z.B. Sport, Musik, Kultur, Dokus

- Fensterprogramme: Zeitlich begrenzte Angebote im Rahmen von Vollprogrammen, zur Vielfaltssicherung (z.B. SpiegelTV)

- Lokal- und Regionalprogramme: Starker räumlicher Bezug, geografisch begrenzter Werbemarkt (z.B. MünchenTV)

- Auslandsprogramme: An Publikum im Ausland gerichtet (z.B. Deutsche Welle)

- Transnationale Programme: Kooperation mit Nachbarstaaten (Arte und 3sat)

Was hat sich strukturell von der Entwicklung von Offline- zu Online-Medien verändert?

- Sichtbarkeit und Gatekeeping: Redaktionen -> Algorithmen und KI-generierte Inhalte
- Kommunikationsarchitektur: one-to-many Broadcasting -> many-to-many Austausch

- Personalisierung: Chronologie/ Programm -> Empfehlungssystem gesteuerte Feeds

- Öffentlichkeit: Massenöffentlichkeit -> Fragmentierung und themenspezifische (Teil-) Öffentlichkeit

- Medienakteure: Institutionen, Marken -> Accounts und Creator

- Informationszugang: Pull (Suche, aktive Zuwendung) -> Push (Benachrichtigung, Zufall, Auto-Play)

- Formate: Langform -> Kurze Formate

Akteure der Medienpolitik

Staatliche Akteure, Zivilgesellschaftliche Akteure, Private Akteure

Wie lassen sich medienpolitische Eingriffe begründen?

Technisch: Allokation knapper Frequenzen und technischer Standardisierung (Es gibt nur eine begrenzte Anzahl, weswegen sie zugewiesen werden müssen, um Überschneidungen und Störungen zu vermeiden/ Standards müssen kompatibel sein und reibungslos funktionieren)

Ökonomisch: Marktversagen, weil...

- Medienunternehmen nicht unbedingt öffentliche, gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen.

- Öffentliche Güter: Nicht-Rivalität: Wenn jemand von einem öffentlichen Gut Gebrauch macht, reduziert das nicht die Menge des Gutes für andere. Bei Medien bedeutet das, dass z.B. eine Nachricht im Internet oder im Fernsehen von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden kann, ohne dass es weniger für andere gibt.

- Nicht-Ausschließbarkeit: Es ist schwer oder unmöglich, jemanden von der Nutzung des Gutes auszuschließen. Beispielsweise kann man nicht verhindern, dass jemand die öffentliche Information in den Medien konsumiert, auch wenn er nicht dafür bezahlt hat. -> führt zum Trittbrettfahrerproblem: Menschen oder Unternehmen profitieren von den Medieninhalten, ohne dafür zu bezahlen oder zur Finanzierung beizutragen

- Der Zugang zu bestimmten Medienangeboten für alle Bürger nicht gewährleistet ist (kostenpflichtige Inhalte), kann zur Unterproduktion führen für den gesellschaftlichen Nutzen)

- Märkte in der Medienbranche dazu tendieren, Monopole oder Oligopole zu bilden – ungleiche Verteilung von Medienmacht


Gesellschaftlich-politisch: Medien als Wirtschafts- und Kulturgüter: Politische und soziale Funktionen der Medien in der Demokratie (z.B. Informationsleistung, Orientierungs-, Integration-, Forums-, Meinungsbildungs-, Kritik- und Kontrollfunktion sowie Sozialisierung) -> meritorische Güter

Ziele: Gewährleisten von Informations- und Meinungsfreiheit sowie

Meinungsvielfalt / gesellschaftlichen Diskursen

▪ Förderung der Unabhängigkeit der Medien (bei ÖRR auch Finanzierung)

▪ Verhinderung von Medienkonzentration

▪ Schutz der Bürgerinnen (z. B. vor Verletzung der Privatsphäre, Hassrede,

Gewährleisten des Jugendschutzes)

→ Stärkung der Demokratie

Was ist der Unterschied zwischen staatlicher Regulierung, Ko-Regulierung und Selbstregulierung?

- Staatliche Medienregulierung: Gesetzgebungsprozess, Durchsetzung und Sanktionierung (Z.b FSK bei Filmen)
- Selbstregulierung/ Selbstkontrolle: freiwillige Maßnahmen und Selbstverpflichtung von Medienunternehmen (Z.b PR)

- Ko-Regulierung: staatlich beauftragte Selbstregulierung

Was bedeutet (Media) Governance?

- Zunehmende Pluralisierung von Kommunikations- und Akteursstrukturen (Mehr konkurrieren und interagieren. Vielzahl von Akteuren – mehr zu berücksichtigen zum Regulieren/ steuern)
- Notwendigkeit der Inklusion möglichst vieler Stakeholder (Damit alle Perspektiven berücksichtigt werden)

- Zunehmende Komplexität durch Konvergenzeffekte innerhalb der Medienlandschaft (Konvergenz: verschiedene Medienformen vermischen zunehmend miteinander – erschwert die Regulierung, da es schwierig wird klare Grenzen zu ziehen)

- schnelle Reaktion nötig, da konventionelle Regulierung träge ist

o Umfasst nicht nur Gesetzestexte und hartes Recht, sondern auch andere Formen der Regulierung

o Institutionelle Arrangements der Selbst- und Ko-Regulierung

o Soziale Praktiken

o Technische Konstellationen

- Kalkül: Effizienzsteigerung bei der Schaffung, Prüfung der Einhaltung und Durchsetzung von Richtlinien durch geringere Kosten

Was wird am Presserat kritisiert?

- Mangelnde Effektivität zur Sicherung journalistischer Ethik: Unzureichende Sanktionen: Rügen werden teilweise nicht publiziert
- Fehlende Herstellung von Öffentlichkeit/ Transparenz bei Hinweisen und Missbilligungen

- Sitzung der Beschwerdeausschüsse sind nicht öffentlich

- Starke Stellung der Verleger (Fokus auf ökonomische Interessen statt auf Gemeinwohl)

Warum ist (Plattform) Regulierung gerade für Medien wichtig?

- Plattformisierung initiiert und verursacht fundamentale medienökonomische und gesellschaftliche Transformationsprozesse
- Übernehmen zunehmend Funktionen, die vormals Nachrichtenmedien vorbehalten waren (Herstellung von Öffentlichkeiten)

- Effekte in Teilen dysfunktional: verstärkt mangelnde Marktfähigkeit von Nachrichten und gefährdet u.a.

o Fundierte individuelle und öffentliche Meinungsbildungsprozesse (Mikroebene)

o Ökonom. & redaktionelle Autonomie journalistischer Medien (Mesoebene)

o Herstellung kohäsiver Öffentlichkeiten (Makroebene)

Welche Ziele verfolgt der Digital Service Act und welche Kritik wird
an ihm geäußert?

Ziele:
- Schutz der Grundrechte der Nutzer (z. B Datenschutz)

- Bekämpfung illegaler Inhalte

- Die Etablierung klarer Verantwortlichkeiten (einheitlich im EU-Binnenmarkt)

- Faire4 Wettbewerbsbedingungen für Online-Plattformen und -Dienste

- > Konsequenteres Löschen illegaler Inhalte

- > Transparenz bei Werbung


Kritik:

- Bezieht sich nur auf illegale/ mit den AGB unvereinbare Inhalte

- Mangelnde Transparenz: Kritik an Berichtsformaten der Plattformen

- Vorwürfe der Meinungsfreiheit und Zensur: Risiko von Overblocking, um Haftungsrisiko zu vermeiden

- Legitimierung & Verstärkung von Plattformmacht statt struktureller Adressierung

- (Vermeintliche?) Privatisierung der Strafverfolgung

Normative Anforderungen an Medien

- Politische Funktionen (Herstellung von Öffentlichkeit etc.), Soziale Funktionen (Integration), Ökonomische Funktionen (Transparenz)
- An Medienqualität: Rechtliche Normen, Journalistische Normen, Gesellschaftliche Normen und Öffentlichkeitsmodelle -> Normen verändern sich aber auch und es gibt dazwischen auch Widersprüche (Staatsgeheimnisschutz vs. Öffentliches Informationsinteresse)

Wie lassen sich Qualitätskriterien theoretisch herleiten?

- Aus den normativen Funktionen/ öffentlichen Aufgaben
- Unterschiedliche Demokratiemodelle (liberal, deliberativ, partizipativ, agonistisch) betonen unterschiedliche Funktionen der Medien und entsprechend unterschiedliche Qualitätskriterien

- Beispiel: Deliberatives Modell (Habermas): Fokus auf Forums- und Integrationsfunktion der Medien, Verständlichkeit, Vielfalt, Ausgewogenheit

Was sind zentrale Qualitätskriterien für journalistische Angebote? (Schatz und Schulz)

- Vielfalt: Abgeleitet aus Freiheit der Berichterstattung -> öffentliche Aufgabe der Massenmedien, Mitwirkung bei Willensbildung
o Strukturelle vs. inhaltliche Vielfalt

o Strukturell: verschiedene Sparten und Formen

o Inhaltlich: breites und vielfältiges Informations- und Meinungsangebot

- Relevanz: Relationaler Begriff: Bedeutung/ Tragweite von Ereignissen/ Themen für Gesellschaft

o Relevanzebenen:

 Makroebene: Gesamtgesellschaft

 Mesoebene: Teilpublika, wie Organisationen, Institutionen

 Mikroebene: Individuen

o Relevanzniveau:

 Quantität: z.B. Ausmaß, Anzahl Betroffene

 Qualität: z.B. Nähe, Reversibilität

- Professionalität: Standesregeln (Sorgfaltspflicht im Pressekodex), Landespressegesetze oder Rundfunkstaatsvertrag

o Gestalterische Professionalität:

 Formal: gestalterisch mit Ton usw.

 Inhaltlich: Verständlichkeit, Visualisierung, Text Bild-Passung

o Inhaltliche/ Journalistische Professionalität:

 Objektivität, Sachgerechtigkeit, Unparteilichkeit, Faktentreue

- Akzeptanz:

o Bedürfnisse, Wünsche und Bewertung des Publikums in Bezug auf Medienangebote

o Passung von Erwartungen des Publikums an Gratifikationen, die Medienangebote liefern

- Rechtmäßigkeit: Verfassung, Grundgesetz

o Allgemeine Gesetze (Jugendschutz, Persönlichkeitsschutz)

o Rundfunk- oder presserechtliche Vorschriften


Die Gesamtheit dieser Dimensionen führt dazu, dass Medieninhalte/ Nachrichtenangebote als glaubwürdig, verlässlich und seriös eingestuft werden

Wie lässt sich Medienqualität empirisch untersuchen?

- Qualität aus Anbietersicht (Produktionsbedingungen und -strukturen, Marktsituation)
- Qualität von Medienangeboten (Nachrichten oder Informationssendungen)

o Akteursvielfalt

 Quantitative Inhaltsanalyse

 Akteursvielfalt unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten

o Themenvielfalt

Vergleich Vielfalt der Themen in Nachrichtensendungen

- Qualität aus Publikumssicht (Wahrnehmung und Bewertung von Programmqualität von Medienangeboten)

o Ausgewogenheit

o Medienqualitätsvergleich (öffentlich-rechtlich zu privat)

Welche Trends zeigen sich in empirischen Analysen?

- Qualitätsurteile des Publikums (Qualität)
o Beeinflusst durch soziodemographische Merkmale, politische Merkmale, Medienbezogenen Merkmale

- Leichter Rückgang der wahrgenommenen Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den letzten 10 Jahren

- Größere Professionalität (Ausgewogenheit) bei ö-r. Nachrichten als bei privaten

Verbreitung der Medien vs. Nutzung der Medien

- Verbreitung der Medien
o Print: Wie hoch ist die Auflage? Wie viele Exemplare verkauft?

o Online: Wie viele nachgewiesene Browser-Zugriffe gibt es auf das Angebot / die Website?

o Hörfunk / TV: Wie häufig wurde der Jingle / Spot gesendet, d.h. ordnungsgemäß ausgestrahlt?


Nutzung der Medien

o Wie viele Personen nutzen das Medium?

o Was sind das für Personen? Demografische Merkmale, Psychografische Merkmale, Einstellungs- und Konsumdaten

o Wie häufig und wie intensiv nutzen sie das Medium?

Was unterscheidet Kommerzielle von akademischer Mediennutzungsforschung?

Kommerzielle Publikumsforschung: Reichweiten, Kontakte und Konsum
- Es geht um Publika (nicht Individuen)

- Meist Reichweitenmessungen, es geht also „nur“ um den Medienkontakt

- Ergebnisse dienen als „Währung“ für Werbetreibende

- redaktionelle Forschung für die Weiterentwicklung der eigenen Geschäftsgelder, der Prüfung der öffentlichen Wahrnehmung und Imagebildung

- Auftragsforschung, nicht frei von wirtschaftlichen Interessen



Akademische Publikumsforschung: Rezeption, Interpretation, Diskussion

- Frei von kommerziellen Interessen, keine unmittelbare Verwertbarkeit

- Theoriegeleitet und explanativ, d.h. Erklärung eines bestimmten Mediennutzungsverhaltens oder von Informationsselektion durch bestimmte Theorien

Welche vier Hauptmotive der Mediennutzung nennt McQuail (1983)? Erläutern Sie jeweils ein Beispiel.

- Informationsbedürfnis: Orientierung über relevante Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung, in der Gesellschaft /Welt. Ratsuche zu praktischen Fragen etc.
- Bedürfnis nach persönlicher Identität: Bestärkung der persönlichen Werthaltungen, Selbstfindung

- Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion: sich zugehörig fühlen, einen Ersatz für Geselligkeit oder Partnerschaft finden

- Unterhaltungsbedürfnis: Wirklichkeitsflucht, Ablenkung von Problemen, emotionale Entlastung, Entspannung

Was besagt der Uses-and-Gratifications-Ansatz?

- Vorstellung des Menschen als aktiver Informationsverarbeiter bzw. Problemlöser
- Mediennutzung als aktive-bewusste Entscheidung

- Menschen nutzen Medien, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen → es handelt sich um eine aktive Medienselektion und -rezeption, die funktional dem Erreichen gewünschten Wirkungen dient

- Medien stehen in direkter Konkurrenz zu anderen Wegen der Bedürfnisbefriedigung

- Menschen entscheiden sich für jene Mediennutzung oder ein alternatives Verhalten, das die beste Bedürfnisbefriedigung verspricht

Kritik Uses & Gratifikation Ansatz:

- Annahme der Mediennutzung als rationale Entscheidung, wobei es aber auch passive gibt (Coach-Potatos)
- Bewusste Medienwahl vs. Mediennutzung als Low-Involvement-Entscheidung stellt die Bedeutung der Gratifikation in Frage

- Entstehung von Bedürfnissen wird nicht berücksichtigt, Beziehung zwischen Bedürfnissen und Motiven bleibt unklar

- Widerspruch zwischen Theorie und Empirie:

o Bezug zu situativem Verhalten, da sich Bedürfnisse dynamisch entwickeln, allerdings werden meist situationsübergreifende Motive und Nutzungsmuster erklärt

o Selbstauskunft über habitualisiertes oder unbewusstes Auswahlverhalten kaum möglich

o Missverständnis, dass Medien per se für bestimmte Bedürfnisse geschaffen sind -> sehr hohe Varianz aus Nutzersicht zu beachten

o Soziale Kontakte bleiben unberücksichtigt und zeichnen damit ein Bild von Mediennutzung, die allein und autonom stattfindet

o Setzt Überblick und Kenntnis von Medienangeboten voraus – daher besser geeignet, um die Nutzung serieller, regelmäßiger und konstanter Medienangebote zu erklären

Was ist „Incidental News Exposure“ (INE)? Welche Forschungsfragen stehen im Fokus dieser Perspektive?

= Kontakt mit Inhalten, der nicht geplant oder gezielt stattfindet
- Kontakt zu bestimmten Medieninhalten als Beiprodukt der Mediennutzung, die andere Zwecke verfolgte

- Fokus liegt nicht auf individuellen Nutzungsabsichten, sondern dem Exposure-Prozess

- Typische Fragen:

o Wie häufig trifft zufällige Exposition auf?

o Wie beeinflusst Sie Meinungen, Einstellungen und Wissen?

o Welchen Einfluss nimmt die Plattform-Logik, Empfehlungen und soziale Kontext

Was versteht man unter einem „Medienrepertoire“?

- Gesamtheit und Kombination alles Kanäle/ Quellen, die von einem Individuum im Alltag genutzt werden
- Ergebnis vieler einzelner Selektionsprozesse

- Stabile Mediennutzungsmuster, die eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg an den Tag legt

- Charakterisierende Merkmale:

o Nutzungszentriert (Einbezug des Verhältnisses dieser Medien zueinander)

o Ganzheitlich (Einbezug aller Medien, die regelmäßig genutzt werden)

o Relational (Einbezug des Verhältnisses dieser Medien zueinander)

Wie wird Mediennutzung im Zwiebelmodell nach Schweiger (2007) erklärt?

- Jedes Individuum ist umgeben von einem sozialen Umfeld und der Gesellschaft, in der es lebt
- Individuum nutzt Medien: reinsituativ, in situationsübergreifenden Mustern, auf Basis seiner Medienbewertung und -kompetenz

- Mediennutzung: AV = innere Schichten (individuellen Motive und Bedürfnisse) – Ablenkung, Wissens Erwerb, Langeweile etc.

- Medienwirkung: AV = äußere Schichten (Situationskontexte, soziales Umfeld, Medienangebot selbst) – Erwartungen


Mediennutzung nicht als passiv, sondern aktiver zielgerichteter Prozess, bei dem Nutzer ihre Bedürfnisse durch die Interaktion mit verschiedenen Medienebenen befriedigen.


Definition Mediennutzungsforschung: „Die Mediennutzungsforschung umfasst alle Forschungsansätze die Mediennutzungsepisoden, Mediennutzungsmuster, Medienbewertungen/ -kompetenzen von Individuen, Sozialen Gruppen, Medien Publika beschreiben oder erklären“

Welche Methoden und Grenzen hat der Selective Exposure-Ansatz?

- Ansatz, um Selektionsmuster und -prozesse vorherzusagen
- Mediennutzer agieren nicht zwingend bewusst, aber selektiv und interessengeleitet

- Enges Verständnis: Konsistenzszreben oder „Confirmation Bias“ prägt die Medienwahl -> Theorie der kognitiven Dissonanz

- Kritik:

- Zu enger Fokus auf individuelle kognitive Prozesse des „Confirmation Bias“

o Weitere Motive der Selektion (z.B. Stimmungsregulation, soziale Vergleichsprozesse) bleiben unberücksichtigt

o Soziale, ökonomische und technologische Rahmenbedingungen (z.B. algorithmische Selektion) bleiben unberücksichtigt

- Inkonsistente Befundlage

o Es werden keineswegs nur konsistente Information konsumiert, sondern auch dissonante Inhalte können ausgewählt werden

o Form des zufälligen Konsums (→ Incidental News Exposure)

- Methode

o Untersuchung findet meist über Beobachtungen in kontrollierten Laborsituationen

Welche drei Hauptprozessdimensionen laufen während der Medienrezeption ab?

Kognitive Prozesse:
- Niedere kognitive Prozesse, z.B. Aufmerksamkeit, Wahrnehmen, einfaches Verstehen und Verarbeiten (z.B. Mustererkennen, Aktivierung)

- Höhere kognitive Prozesse, z.B. komplexe Verstehens- und Bewertungsprozesse, Wissenserwerb, Schlussfolgern, Problemlösung

- Unterschiedliche Komplexität dargebotener Informationen:

o Visuelle Farb- und Kontrastmuster (Buchstaben im Text, Farblinienverläufe bei Videoinhalten)

o Bedeutungstragende Elemente (Wörter, Objekte, Personen)

o Dynamische Prozesse (Bewegungen, Handlungen)

o Wege und Werkzeuge für interaktive Nutzung („Buttons“, „Links“)


Affektive Prozesse:

- Spannung und Erregung

- Emotionales Erleben/ Unterhaltungserleben, Gefühle, Stimmungen, spezifische Emotionen z.B. Trauer oder Ärger

- Empathisches Mitfühlen

- Beziehungen zu Medienfiguren

- Emotionsregulation (z.T. kognitiver Prozess, der aber emotionale Folgen hat)



Konative Prozesse:

- Verhaltens- und Handlungsabsichten, Wünsche

- Navigations- und Nutzungsverhalten

- Diffusions- und Aneignungsprozesse

Methoden der Medienrezeption:

- Post-rezeptive Abfrage von Kognitionen, Emotionen oder Verhaltes Tendenzen mittels Fragebögen -> subjektive Messung über eine Selbstauskunft
- Prozess-begleitende Messungen, z.B.:

o Beobachtung (Mimik, Verhalten)

o Physiologische Messungen (Herzrate, Hautleitwiderstand)

o Blickverlaufsmessung zur Erfassung visueller Aufmerksamkeit

o Gesichtselektromyographie zur Erfassung der Gesichtsmuskelaktivität

o Continuous Response Measurement: kontinuierliche Bewertung mittels Eingabegeräte

- Methodenpluralismus: Experiment, Befragung und Beobachtung, qualitativ und quantitati

Was besagt das Limited Capacity Model?

Grundgedanke: Für die Informationsverarbeitung bei der Mediennutzung stehen nur begrenzte Denk-Ressourcen zur Verfügung

Ressourcen verteilen sich auf den Prozess der Informationsverarbeitung:

- Informationsaufnahme (Encoding) -> Informationsspeicherung (Storage) -> Informationsabruf (Retrieval)

- Mentale Repräsentation der Medienbotschaft im Arbeitsgedächtnis -> Teil-Transfer ins Langzeitgedächtnis -> Abruf der gespeicherten Informationen und Verknüpfung mit neuen Informationen

Das Limited Capacity Model erlaubt Vorhersagen,

- Welche inhaltlichen und formalen Merkmale des Medienangebots automatisch Aufmerksamkeit erlangen.

- Welche Inhalte deshalb eher weiterverarbeitet und gespeichert werden

- Unter welchen Bedingungen Medieninformationen auch längerfristig gelernt werden

- Welche Medieninhalte nicht verarbeitet und auch nicht gelernt werden, weil nicht genügend Verarbeitungskapazität für Verarbeitung und Speicherung zur Verfügung standen

Was erklärt die Affective Disposition Theory? Für welche Medienformate ist sie besonders relevant?

- Erklärt das Entstehen von Spannung während der Rezeption von fiktional-narratives Medieninhalten (Serien etc.)
- Grundannahme

o Unterhaltung basiert auf dem Erleben von Spannung

o Spannung als emotionaler Zustand abhängig von Einstellungen gegenüber Personen im Medienangebot



Annahmen der Affektive Disposition Theory:

Entstehung von Spannung

- Gewünschter Ausgang zögert sich bis zum Ende der Geschichte hinaus

- Zwischenzeitlich scheinen „die Bösen“ im Vorteil zu sein

- Unsicherheit und Empathie mit den Protagonisten bzw. Antipathie ggü. Den Antagonisten als Basis des Spannungserlebens

Gefühle um so stärker,

- Je mehr Spannung aufgebaut wurde

- Je größer moralische und affektive Distanz zwischen Protagonisten und Antagonisten

Was ist eine parasoziale Interaktion (PSI)? Wie entsteht sie?

- Medienakteure vermitteln Illusion einer direkten Interaktion mit Rezipienten
- Rezipienten reagieren ähnlich wie in „echten“ Interaktionen, „echte“ Interaktion mit Medienfiguren ist allerdings nicht möglich -> parasoziale Interaktion

- Ursachen: Automatisierte und unbewusst stattfindende Prozesse der sozialen Wahrnehmung

Welche drei Manifestationen (Ebenen) der PSI gibt es? Geben Sie jeweils ein Beispiel.

- Manifestationen/ Prozesse:
o Perzeptiv-kognitive PSI: Bewertungen der Medienperson

o Affektive PSI: Sympathie und Empathie

o Konative PSI: Zurufen einer Warnung

Medienwirkungsforschung

Definition: Medienwirkung als „alle Veränderungen, die – wenn auch nur partiell oder in Interaktion mit anderen Faktoren – auf Medien bzw. deren Mitteilungen zurückgeführt werden können“
- Facettenreiches Phänomen:

o Intendiert vs. Nicht-intendiert

o Wünschenswert vs. Unerwünschte Wirkungsphänomene

o Verschiedenste Typen: Neubildung, Verstärkung, Änderung von Wissen, Einstellungen oder Verhalten

Kultivierungsthese:

Wiederholter Medienkonsum führt zu verzerrten Realitätsvorstellungen (Kultivierung erster Ordnung) und daraus resultierenden Einstellungen zu sozialen Problemen (Kultivierung zweiter Ordnung)

Nennen Sie Beispiele für kognitive, affektive und konative
Medienwirkungen.

- Kognitive Wirkungen: Effekte auf Emotionen, Gefühle
o Verzerrte Realtitätsvorstellungen von Vielsehern -> bei fiktionalen Fernsehdarstellungen (Kimi Nutzung -> Überschätzung der Kriminalitätsrate)

- Affektive Wirkungen: Effekte auf Emotionen, Gefühle

o Medienkonsum ruft Angst hervor, Opfer eines Verbrechens zu werden und kultiviert Misstrauen gegenüber Umwelt

- Konative Wirkungen: Effekte auf Verhaltensweisen

o Sicherheitsvorkehrungen gegen Verbrechen

Wirkungsebenen:

- Makrowirkungen: Wirkung der Medien auf gesellschaftlicher Ebene oder Gesellschaft
- Mesowirkungen: Wirkung der Medien auf Organisationen und Institutionen

- Mikrowirkungen: Wirkung der Medien auf das Individuum

Befunde der Medienwirkungsforschung:

Interindividuelle Unterschiede: Medienwirkung umso wahrscheinlicher und umso größer …
- Je einheitlicher Medien ein bestimmtes Bild der Wirkung darstellen, d.h. mehr Konsonanz im gesamten Mediensystem vorhanden (Konsonanz)

- Je häufiger und auffälliger Themen, Ereignisse, Personen in den Medien sind (Salienz)

- Je mehr Medieninhalte „konstruierte“ Medienrealität sind („Pseudo Ereignisse“, „mediatisierte Ereignisse“)

- Je mehr Mediendarstellung durch interpersonale Kommunikation und Meinungsklima unterstützt wird

- Je weniger die Mediennutzer über eigene unmittelbare Erfahrung und Anschauung verfügen (zum Thema)

- Je weniger ausgeprägt die Prädisposition der Mediennutzer sind (geringes Vorwissen)

- Je größer das Interesse/ Kommunikationsbedürfnis der Mediennutzer

Was sind die Kernbefunde der Chapel-Hill-Studie?

Ursprung: Hintergrund Präsidentschaftswahlkampf in den USA 1968
- Wähler erfahren von den Standpunkten politischer Kandidaten nicht aus direkter Anschauung, sondern aus den Medien

- Die Medien weisen verschiedenen Themen/ Streitfragen (Issues) unterschiedliche große Relevanz zu (Medienagenda)

- Wähler übernehmen diese Relevanzzuweisungen aus den Medien (Publikumsagenda)

- Die Massenmedien bestimmen somit die Agenda der politischen Kampagne


Schlussfolgerung: Medien beeinflussen die Agenda (Tagesordnung) von Themen, die in der Bevölkerung als wichtig angesehen werden.

Kritik:

- Kleine spezifische Stichprobe

- Messung nur zu einem einzelnen Messzeitpunkt

Weiterentwicklung Agenda Setting:

Problem Kausalrichtung: Kausalität setzt voraus, dass Ursache der Wirkung vorausgeht – Berechnung von Kreuzkorrelation oder zeitverzögerten Korrelationen
- Wirkungsintervall – wie lange braucht die Medienagenda, um die Publikumsagenda zu beeinflussen: einen Tag, eine Woche, einen Monat?

- Betrachtete Medien, z.B. Glaubwürdigkeit des Mediums

- Merkmale des Themas, z.B. Aufdringlichkeit

- Themenkonkurrenz zu „Killer“ und „Victim Issues“

- Ereignishintergrund: Routineereignisse versus außergewöhnliche Ereignisse

- Individuelle Merkmale von Rezipienten und ihres direkten sozialen Umfeldes (interpersonale Kommunikation und Primärerfahrung)

Theorie Modifikation:

- Veränderte Bedingungen (z. B. Nutzerkommentare) werden einfachen Ursache-Wirkungs-Annahmen nicht mehr gerecht

- Ausdifferenzierung der Mediennutzung verringert Agenda Setting- Effekte (aber derzeit immer noch vorhanden)

- Verschwimmende Grenzen zwischen interpersonaler Kommunikation, strategischer und journalistischer Kommunikation erschwert Analyse von Agenda Setting-Effekten

Was unterscheidet Public Agenda Setting von Policy Agenda
Setting?

Policy Agenda Setting durch Medien:
- Einfluss der Medienagenda auf politische Agenda (im Gegensatz zu Public Agenda-Setting)

- Indikatoren der politischen Agenda: politische Reden, Parlamentsdebatten, Parteiprogramme

- Methode:

o Zeitreihenanalysen: Vergleich der Medienagenda mit politischer Agenda

o Befragungen von politischen Akteuren

- Befunde: geringe Effekte der Medienagenda in Zeitreihenanalyse vs. Starke Effekte in Befragungen

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