Sie vermitteln Inhalte zwischen Anbietern und Nutzern durch Aggregation, Selektion und Präsentation.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk dient dem Public Value mit gesellschaftlichem Nutzen, privat-kommerzieller Rundfunk verfolgt Reichweiten- und Kapitalziele.
Es verbindet staatsnahe Strukturen mit pluralistischer Pressefreiheit, typisch für nordeuropäische Länder wie Deutschland.
Weil es hauptsächlich Plattformen mit algorithmischer Vermittlung bietet, keine journalistische redaktionelle Selektion.
Wechselseitigkeit, Intentionalität, Sprachlichkeit, Anwesenheit und Reflexivität.
Ungeplante oder zufällige Mediennutzung, bei der Nachrichten als Nebenprodukt wahrgenommen werden.
Kognitive, aaektive (emotionale) und konative (handlungsbezogene) Prozesse.
Wiederholter Medienkonsum führt zu verzerrten Realitätsvorstellungen und daraus resultierenden Einstellungen.
Staatliche Regulierung erfolgt durch Gesetze und Durchsetzung, Selbstregulierung durch freiwillige Maßnahmen der Medienunternehmen.
Algorithmische Kuration wählt Inhalte nach Plattformlogik, persönliche Kuration nach individuellen Interessen.
Ereignisfrequenz, Bedeutsamkeit, Personalisierung, Negativismus und Überraschung.
Inhaltsanalysen, Befragungen und Vergleich von Medienangeboten aus Anbietersicht und Publikumssicht.
Als Funktionssystem der Gesellschaft mit Selbstbeobachtung und Reflexion ohne Herstellung einer einheitlichen Meinung.
Nutzungszentriert, ganzheitlich und relational bezüglich der Auswahl aller Medienkanäle und deren Verhältnis zueinander.
Die Illusion einer einseitigen, aber sozial wahrgenommenen Interaktion mit Medienfiguren.
Theorien müssen an der Realität scheitern können, um überprüfbar zu sein.
Interpersonales Kommunikationsmodell mit wechselseitigem Prozess.
Natürliche Zeichen sind nicht absichtlich erzeugt, während künstliche Zeichen Symbol oder Ikon sein können.
Massenkommunikation ist einseitig, technisch vermittelt und richtet sich an ein disperses Publikum.
Nur ein kleiner Teil der Kommunikation ist bewusst und sichtbar (ca. 10%), der Großteil unbewusst und unsichtbar.
Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis, Appell.
Bedeutungen entstehen durch soziale Interaktion, sind sozial konstruiert und verändern sich interpretativ.
Öffentlich, technisch verbreitet, indirekt, einseitig oder asymmetrisch mit eingeschränkter Rückkopplung an ein disperses Publikum.
Feldschema von Maletzke.
Eine steigende Reichweite erhöht Werbeeinnahmen, was Investitionen und Qualität steigert, wodurch die Reichweite weiter wächst.
- Kommunikatoren: potenziell jeder
- Inhalt: wird vorwiegend personalisiert und algorithmisch ausgewählt; wird auf Plattformen integriert (losgelöst von ursprünglicher Quelle)
- Stil: Modalitäten wie Bilder und Video werden häufig gegenüber Text bevorzugt; kurze Posts (u.a. aufgrund von festgelegten Längen, Konkurrenz um Aufmerksamkeit)
- Kanal: Vielzahl an Kanälen mit unterschiedlichen Funktionen, Modalitäten, etc.
- Funktion: „Erleben von Informationen“; nebeneinander von Informationen, Unterhaltung und Werbung/PR
- Journalistische Kuration: Orientierung an professionell-journalistischen Normen
- Algorithmische Kuration: Orientierung an kommerzieller Plattformlogik (z.B. Nutzendendaten)
- Soziale Kuration: Two-Step-Flow: Kontakt zu Medieninhalten vermittelt durch Freunde, Bekannte & Familie
- Persönliche Kuration: Orientierung an individuellen Interessen und Bedürfnissen
- Strategische Kuration: Orientierung an individuellen Interessen und Bedürfnissen
Grenzen zwischen den verschiedenen Formen der Kuration verschwimmen
Potentiale (mehr Vielfalt)
Gefahren (Filterblasen)
- Wahrheitsgehalt prüfen, unbestätigte Meldungen, Vermutungen und Gerüchte als solche erkennbar machen
- Man darf die Menschenwürde nicht verletzen
- Persönlichkeitsrechte beachten
Chancen:
- Engere Publikumsbindung, einfachere Interaktionsmöglichkeit
- Vertrauensbildung
- Günstige Marktforschungsmöglichkeiten
Risiken:
- Starke Orientierung an digitalen Nutzungsmetriken (Klicks, Likes, Shares...)
- Aufwendige Moderation der Kommentarspalten
- Hasskommentare gegen Journalisten
- Ein Prozess, der nach den Gründen der Auswahl und der Präsentation von Themen, Ereignissen und Ereignisaspekten an verschiedenen Stufen des Informationsflusses fragt
- Selektives Gatekeeping: Entscheidung, welche Informationen überhaupt berichtet werden
- Quantitatives Gatekeeping: Entscheidung, wie umfangreich über ein Thema berichtet wird
- Qualitatives Gatekeeping: Entscheidung, wie Informationen platziert und präsentiert werden
- In der High-Choice Medienlandschaft: Unidirektionaler Informationsfluss vom Ereignis zu den Rezipienten sowie Journalismus als Gatekeeper verliert an Bedeutung/ nichtlinearer Kommunikationsprozess/ Bedeutungszuwachs von algorithmischem Gatekeeping/ Publikums Gatekeeping
- Akteursorientiert: Journalisten, Eigentümer, Manager, Anzeigekunden, Politische Machtgruppen, Wirtschaftliche Machtgruppen, Öffentlichkeit im Verbreitungsgebiet
- Variableorientiert: Eigenschaften von Ereignissen, Zuschreibungen zu Ereignissen, Eigenschaften von Nachrichten, Zuschreibungen zu Nachrichten
- Nachrichtenfaktoren: Frequenz, Schwellenfaktor, Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit, Konsonanz, Überraschung, Kontinuität, Variation, Bezug auf Elite-Nation, Bezug auf Elite-Personen, Personalisierung, Negativismus
- Selektivität: Je mehr ein Ereignis einem/mehreren der aufgeführten Kriterien entspricht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Nachricht wird
- Verzerrung (distortion): Die Merkmale, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen, werden akzentuiert
- Komplementarität: Wenn ein Ereignis eines/ einige der Kriterien nicht oder nur in geringem Maße erfüllt, müssen die anderen Faktoren in um so stärkere Maße zutreffen, damit ein Ereignis zur Nachricht wird
- Additivität: Je mehr der Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto größer ist seine Chance, zur Nachricht zu werden
- Replikation: Selektivität und Verzerrung finden auf alles Stufen des Nachrichtenflusses statt, von der Beobachtung des Ereignisses über Übermittlung und Weiterverarbeitung bis zur Veröffentlichung. Die Wirkung dieser Mechanismen verstärkt sich im Nachrichtenfluss (Je mehr Übermittlungsstadien desto größer die Verzerrung)
- Realismus: Realität prinzipiell erkennbar und objektivierbar und daher medial wiedergebbar
o Medien als Abbild der Realität
o Realität und Medienrealität vergleichbar
- Konstruktivismus: Realität nicht objektiv erkennbar, sondern eine Konstruktion von Menschen (radikaler Konstruktivismus)
o Medien als Weltbildapparate, die unterschiedliche Realitätskonstruktionen vermitteln
o Realität und Medienrealität nicht vergleichbar und Angemessenheit der Realitätsdarstellung nicht möglich
- Moderater Realismus: Medienrealität selektives und verzerrtes Bild oder Rekonstruktion der Realität
o Angemessenheit von Rekonstruktionen prinzipiell überprüfbar und Vergleich von Rekonstruktionen möglich (Konsensprüfung)
- Mit Extra-Medien-Daten, Anforderungen an Ereignisse:
o Ereignisse klar erkennbar, räumlich und zeitlich begrenzt
o Relevanz der Ereignisse für die Berichterstattung
o Genuine Ereignisse, d.h. Auftreten des Ereignisses muss unabhängig von der Berichterstattung sein
- Anforderungen an Extra-Mediendaten:
o Kontinuierliche Datenverfügbarkeit
o Konstante Erfassungsmodalitäten, z.B. unveränderliche Messungen und Dunkelziffern, problematisch bei Arbeitslosigkeit, Kriminalität
- Anforderungen an die Inhaltsanalyse:
o Hinreichend große Stichproben im Zeitverlauf der auftretenden Ereignisse
o Erfassung von berichteten Ereignissen analog zur Erfassung bei Extra-Mediendaten (Validität)
o Konstanz der Messung im Zeitverlauf
- Genuine Ereignisse: geschehen, ohne inszeniert oder medial beeinflusst zu sein (Naturereignisse)
- Inszenierte Ereignisse: zum Zwecke der Publikation erzeugt (Parteitage, Pressekonferenz)
- Mediatisierte Ereignisse: wäre auch ohne Anwesenheit der Medien passiert, aber mediengerecht wird es aufbereitet (Olympiade)
- Aktuelle Ereignisse werden in einem bestimmten „Rahmen“ gestellt und bestimmte Aspekte des Themas hervorgehoben (und andere ausgelassen)
- Strategisches Framing: zielt darauf ab, partikulare Sichtweisen, Lösungen und Interpretationen in der Medienberichterstattung durchzusetzen
- Medien-Frames: spezifisches Muster von Problemdefintionen, Verantwortungszuschreibungen, Bewertungen und Handlungsanweisungen
- Z.B. Art der Kontextualisierung eines Themas:
o Thematisches: allgemeiner abstrakter Kontext/ Hintergrund vs.
o Episodisches Framing: exemplarische oder ereignisorientierte Illustration
- Mediensystem = Gesamtheit von Ordnungen oder Strukturen, die Medien in einem definierten Raum, zumeist einem Staat, charakterisieren (wenn man das Ganze betrachtet)
- Medienstrukturen = organisatorische (Meso-Ebene) und gesellschaftliche Bausteine und Elemente (Makroebene) eines Mediensystems (Zoomt man hinein auf die einzelnen Bausteine und Aspekte davon)
- Kultur (Alphabetisierung, Werte)
- Wirtschaft (Werbeträger, Wirtschaftskrisen)
- Technik (Fernsehempfang Internet)
- Recht (Pressefreiheit, EU-Richtlinien)
- Politik (System Zensur, Regierungswechsel)
- Geschichte (Revolution, DT. Wiedervereinigung)
- Mediensysteme verändern sich stetig in Abhängigkeit der Veränderung ihrer Umwelt. Beispiel: Schnell-voranschreitende digitale Innovation
o 1) Gattungen und Medienakteure -> Neue Intermediäre z.B. Suchmaschinen, Algorithmen, KI, Zunehmende Plattform- und Creatorlogiken
o 2) Wirtschaftliche Grundlangen (Finanzierung) -> Wandel des Werbemarktes, sinkende Einnahmen traditioneller Presseerzeugnisse, Mehrsäulen-Modelle (Abo, Spenden, Produktverkäufe, Werbung)
o 3) Rechtliche Grundlagen (Selbstregulierung, Internationale Struktur des Internets: Rechtliche Grundlagen und Durchsetzung über Länder hinweg? Zunehmende Relevanz von Daten -> Datenschutz?!
- Beschreibung von Mediensystemen und ihrer Dynamik
- Betrachtung der Mikro-, Meso- und Makroebene: vom Individuum über Organisationen/ Institutionen bis zu Systemen
- Mediensystemforschung betrachtet:
o Die Funktionen der Medien und wie sie diese erfüllen
o Die ökonomischen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen
o Die technische Basis
o Die Organisationen des Mediensystems und Strukturen im Mediensystem
o Die historisch entstandenen Strukturen der Medien
o Das Wechselverhalten zwischen Mediensystem und Gesellschaft
- Polarisiertes-pluralistisches Modell (mediterran)
- Demokratisch-korporatistisches Modell (nordeuropäisch)
- Liberales Modell (nordatlantisch)
- Nordeuropäisches oder demokratisch-korporatistisches Modell
- Periodizität: Erscheint in festem Rhythmus (täglich/ wöchentlich) unter verlässlichen, institutionellen Bedingungen. -> Presse sollte regelmäßig und planbar erscheinen
- Aktualität: Grad der Zeitnähe: schnell, nah am aktuellen Geschehen in der Welt/ entkoppelt, mehr Einordnungen -> Erwartungen von Redaktion & Publikum
- Universalität: thematische Breite (=General Interest) versus Spezialisierung/ Fokussierung (=Special Interest) -> Breit für alle, spezifischer für Interessensgruppen
- Publizität: Öffentlicher Zugang zu den Inhalten/ Paywalls( Abos beschränken Öffentlichkeit auf bestimmte Teile -> stellt Möglichkeit öffentlicher Meinungsbildung sicher
Printmedien bedienen als Koppelprodukte zwei Märkte: Publikumsmarkt und Werbemarkt
- Es gibt Wechselwirkungen zwischen den beiden Absatzmärkten werbebasierter Medien
- Steigt die Reichweite eines Mediums, steigt auch das Interesse von Formen an einer Anzeigenplatzierung in dem jeweiligen Medium
- Das Steigert die Werbeeinnahmen des Mediums, da Anzeigen zu höheren Preisen vertrieben werden können
- Die höheren Gewinne wiederum ermöglichen höhere Investitionen, die sich in einer höheren Qualität des Mediums niederschlagen können, was wieder zu einer höheren Reichweite führt
- Diese wiederholte Bedingung des einen durch das andere erzeugt eine Spiralwirkung
- Reichweite -> Werbeeinnahmen -> Investitionen -> Qualität -> Reichweite …
- Die Anzeigen-Auflagen-Spirale kann allerdings auch negative Effekte als Abwärtsspirale verstärken: Eine niedrige Auflage führt laut dem Modell zu geringeren Einnahmen, die zu einer, durch Einsparungen bedingten, geringeren Qualität führen können, was auf lange Sicht zu einem weiteren Rückgang der Reichweite führt.
- Hörfunk und Fernsehen
- Ab 1984 Dualer Rundfunk: öffentlich-rechtliche Sender und privat-kommerzielle Sender
- Öffentlich-rechtlicher Rundfunk = öffentliche Anstalten, die sich selbst verwalten
o Ziele: Nutzen für die ganze Gesellschaft (Public Value)
o Wirtschaftlich vernünftige und effiziente Erfüllung ihrer Funktionen
- Privat-kommerzieller Rundfunk = kommerzielle Unternehmen
o Ziel: Erwirtschaftung von Kapital
o Reichweitenorientiert
o Keine besondere gesellschaftliche Kontrolle
o Geringe normative Anforderungen an das Programm
o Beaufsichtigung durch Landesmedienanstalten
- Aufgaben der Medienanstalten in Deutschland: Rundfunk ist Ländersache, mit Regelungen zu Organisation und Kontrolle der privaten Rundfunkanbieter in Landesmediengesetzen
- Aufgaben der 14 Landesmedienanstalten: Genehmigung, Beaufsichtigung und Weiterentwicklung des privaten Rundfunks in Deutschland
- Vollprogramme: Universalitätsanspruch → alle Inhalte (Nachrichten, Unterhaltung, Information,)
- Spartenprogramme: Thematisch und zielgruppenspezifische Angebote → fokussiert auf einzelne Themen, z.B. Sport, Musik, Kultur, Dokus
- Fensterprogramme: Zeitlich begrenzte Angebote im Rahmen von Vollprogrammen, zur Vielfaltssicherung (z.B. SpiegelTV)
- Lokal- und Regionalprogramme: Starker räumlicher Bezug, geografisch begrenzter Werbemarkt (z.B. MünchenTV)
- Auslandsprogramme: An Publikum im Ausland gerichtet (z.B. Deutsche Welle)
- Transnationale Programme: Kooperation mit Nachbarstaaten (Arte und 3sat)
- Sichtbarkeit und Gatekeeping: Redaktionen -> Algorithmen und KI-generierte Inhalte
- Kommunikationsarchitektur: one-to-many Broadcasting -> many-to-many Austausch
- Personalisierung: Chronologie/ Programm -> Empfehlungssystem gesteuerte Feeds
- Öffentlichkeit: Massenöffentlichkeit -> Fragmentierung und themenspezifische (Teil-) Öffentlichkeit
- Medienakteure: Institutionen, Marken -> Accounts und Creator
- Informationszugang: Pull (Suche, aktive Zuwendung) -> Push (Benachrichtigung, Zufall, Auto-Play)
- Formate: Langform -> Kurze Formate
Staatliche Akteure, Zivilgesellschaftliche Akteure, Private Akteure
Technisch: Allokation knapper Frequenzen und technischer Standardisierung (Es gibt nur eine begrenzte Anzahl, weswegen sie zugewiesen werden müssen, um Überschneidungen und Störungen zu vermeiden/ Standards müssen kompatibel sein und reibungslos funktionieren)
Ökonomisch: Marktversagen, weil...
- Medienunternehmen nicht unbedingt öffentliche, gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllen.
- Öffentliche Güter: Nicht-Rivalität: Wenn jemand von einem öffentlichen Gut Gebrauch macht, reduziert das nicht die Menge des Gutes für andere. Bei Medien bedeutet das, dass z.B. eine Nachricht im Internet oder im Fernsehen von vielen Menschen gleichzeitig genutzt werden kann, ohne dass es weniger für andere gibt.
- Nicht-Ausschließbarkeit: Es ist schwer oder unmöglich, jemanden von der Nutzung des Gutes auszuschließen. Beispielsweise kann man nicht verhindern, dass jemand die öffentliche Information in den Medien konsumiert, auch wenn er nicht dafür bezahlt hat. -> führt zum Trittbrettfahrerproblem: Menschen oder Unternehmen profitieren von den Medieninhalten, ohne dafür zu bezahlen oder zur Finanzierung beizutragen
- Der Zugang zu bestimmten Medienangeboten für alle Bürger nicht gewährleistet ist (kostenpflichtige Inhalte), kann zur Unterproduktion führen für den gesellschaftlichen Nutzen)
- Märkte in der Medienbranche dazu tendieren, Monopole oder Oligopole zu bilden – ungleiche Verteilung von Medienmacht
Gesellschaftlich-politisch: Medien als Wirtschafts- und Kulturgüter: Politische und soziale Funktionen der Medien in der Demokratie (z.B. Informationsleistung, Orientierungs-, Integration-, Forums-, Meinungsbildungs-, Kritik- und Kontrollfunktion sowie Sozialisierung) -> meritorische Güter
Ziele: Gewährleisten von Informations- und Meinungsfreiheit sowie
Meinungsvielfalt / gesellschaftlichen Diskursen
▪ Förderung der Unabhängigkeit der Medien (bei ÖRR auch Finanzierung)
▪ Verhinderung von Medienkonzentration
▪ Schutz der Bürgerinnen (z. B. vor Verletzung der Privatsphäre, Hassrede,
Gewährleisten des Jugendschutzes)
→ Stärkung der Demokratie
- Staatliche Medienregulierung: Gesetzgebungsprozess, Durchsetzung und Sanktionierung (Z.b FSK bei Filmen)
- Selbstregulierung/ Selbstkontrolle: freiwillige Maßnahmen und Selbstverpflichtung von Medienunternehmen (Z.b PR)
- Ko-Regulierung: staatlich beauftragte Selbstregulierung
- Zunehmende Pluralisierung von Kommunikations- und Akteursstrukturen (Mehr konkurrieren und interagieren. Vielzahl von Akteuren – mehr zu berücksichtigen zum Regulieren/ steuern)
- Notwendigkeit der Inklusion möglichst vieler Stakeholder (Damit alle Perspektiven berücksichtigt werden)
- Zunehmende Komplexität durch Konvergenzeffekte innerhalb der Medienlandschaft (Konvergenz: verschiedene Medienformen vermischen zunehmend miteinander – erschwert die Regulierung, da es schwierig wird klare Grenzen zu ziehen)
- schnelle Reaktion nötig, da konventionelle Regulierung träge ist
o Umfasst nicht nur Gesetzestexte und hartes Recht, sondern auch andere Formen der Regulierung
o Institutionelle Arrangements der Selbst- und Ko-Regulierung
o Soziale Praktiken
o Technische Konstellationen
- Kalkül: Effizienzsteigerung bei der Schaffung, Prüfung der Einhaltung und Durchsetzung von Richtlinien durch geringere Kosten
- Mangelnde Effektivität zur Sicherung journalistischer Ethik: Unzureichende Sanktionen: Rügen werden teilweise nicht publiziert
- Fehlende Herstellung von Öffentlichkeit/ Transparenz bei Hinweisen und Missbilligungen
- Sitzung der Beschwerdeausschüsse sind nicht öffentlich
- Starke Stellung der Verleger (Fokus auf ökonomische Interessen statt auf Gemeinwohl)
- Plattformisierung initiiert und verursacht fundamentale medienökonomische und gesellschaftliche Transformationsprozesse
- Übernehmen zunehmend Funktionen, die vormals Nachrichtenmedien vorbehalten waren (Herstellung von Öffentlichkeiten)
- Effekte in Teilen dysfunktional: verstärkt mangelnde Marktfähigkeit von Nachrichten und gefährdet u.a.
o Fundierte individuelle und öffentliche Meinungsbildungsprozesse (Mikroebene)
o Ökonom. & redaktionelle Autonomie journalistischer Medien (Mesoebene)
o Herstellung kohäsiver Öffentlichkeiten (Makroebene)
Ziele:
- Schutz der Grundrechte der Nutzer (z. B Datenschutz)
- Bekämpfung illegaler Inhalte
- Die Etablierung klarer Verantwortlichkeiten (einheitlich im EU-Binnenmarkt)
- Faire4 Wettbewerbsbedingungen für Online-Plattformen und -Dienste
- > Konsequenteres Löschen illegaler Inhalte
- > Transparenz bei Werbung
Kritik:
- Bezieht sich nur auf illegale/ mit den AGB unvereinbare Inhalte
- Mangelnde Transparenz: Kritik an Berichtsformaten der Plattformen
- Vorwürfe der Meinungsfreiheit und Zensur: Risiko von Overblocking, um Haftungsrisiko zu vermeiden
- Legitimierung & Verstärkung von Plattformmacht statt struktureller Adressierung
- (Vermeintliche?) Privatisierung der Strafverfolgung
- Politische Funktionen (Herstellung von Öffentlichkeit etc.), Soziale Funktionen (Integration), Ökonomische Funktionen (Transparenz)
- An Medienqualität: Rechtliche Normen, Journalistische Normen, Gesellschaftliche Normen und Öffentlichkeitsmodelle -> Normen verändern sich aber auch und es gibt dazwischen auch Widersprüche (Staatsgeheimnisschutz vs. Öffentliches Informationsinteresse)
- Aus den normativen Funktionen/ öffentlichen Aufgaben
- Unterschiedliche Demokratiemodelle (liberal, deliberativ, partizipativ, agonistisch) betonen unterschiedliche Funktionen der Medien und entsprechend unterschiedliche Qualitätskriterien
- Beispiel: Deliberatives Modell (Habermas): Fokus auf Forums- und Integrationsfunktion der Medien, Verständlichkeit, Vielfalt, Ausgewogenheit
- Vielfalt: Abgeleitet aus Freiheit der Berichterstattung -> öffentliche Aufgabe der Massenmedien, Mitwirkung bei Willensbildung
o Strukturelle vs. inhaltliche Vielfalt
o Strukturell: verschiedene Sparten und Formen
o Inhaltlich: breites und vielfältiges Informations- und Meinungsangebot
- Relevanz: Relationaler Begriff: Bedeutung/ Tragweite von Ereignissen/ Themen für Gesellschaft
o Relevanzebenen:
Makroebene: Gesamtgesellschaft
Mesoebene: Teilpublika, wie Organisationen, Institutionen
Mikroebene: Individuen
o Relevanzniveau:
Quantität: z.B. Ausmaß, Anzahl Betroffene
Qualität: z.B. Nähe, Reversibilität
- Professionalität: Standesregeln (Sorgfaltspflicht im Pressekodex), Landespressegesetze oder Rundfunkstaatsvertrag
o Gestalterische Professionalität:
Formal: gestalterisch mit Ton usw.
Inhaltlich: Verständlichkeit, Visualisierung, Text Bild-Passung
o Inhaltliche/ Journalistische Professionalität:
Objektivität, Sachgerechtigkeit, Unparteilichkeit, Faktentreue
- Akzeptanz:
o Bedürfnisse, Wünsche und Bewertung des Publikums in Bezug auf Medienangebote
o Passung von Erwartungen des Publikums an Gratifikationen, die Medienangebote liefern
- Rechtmäßigkeit: Verfassung, Grundgesetz
o Allgemeine Gesetze (Jugendschutz, Persönlichkeitsschutz)
o Rundfunk- oder presserechtliche Vorschriften
Die Gesamtheit dieser Dimensionen führt dazu, dass Medieninhalte/ Nachrichtenangebote als glaubwürdig, verlässlich und seriös eingestuft werden
- Qualität aus Anbietersicht (Produktionsbedingungen und -strukturen, Marktsituation)
- Qualität von Medienangeboten (Nachrichten oder Informationssendungen)
o Akteursvielfalt
Quantitative Inhaltsanalyse
Akteursvielfalt unterscheidet sich nicht wesentlich zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten
o Themenvielfalt
Vergleich Vielfalt der Themen in Nachrichtensendungen
- Qualität aus Publikumssicht (Wahrnehmung und Bewertung von Programmqualität von Medienangeboten)
o Ausgewogenheit
o Medienqualitätsvergleich (öffentlich-rechtlich zu privat)
- Qualitätsurteile des Publikums (Qualität)
o Beeinflusst durch soziodemographische Merkmale, politische Merkmale, Medienbezogenen Merkmale
- Leichter Rückgang der wahrgenommenen Ausgewogenheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den letzten 10 Jahren
- Größere Professionalität (Ausgewogenheit) bei ö-r. Nachrichten als bei privaten
- Verbreitung der Medien
o Print: Wie hoch ist die Auflage? Wie viele Exemplare verkauft?
o Online: Wie viele nachgewiesene Browser-Zugriffe gibt es auf das Angebot / die Website?
o Hörfunk / TV: Wie häufig wurde der Jingle / Spot gesendet, d.h. ordnungsgemäß ausgestrahlt?
Nutzung der Medien
o Wie viele Personen nutzen das Medium?
o Was sind das für Personen? Demografische Merkmale, Psychografische Merkmale, Einstellungs- und Konsumdaten
o Wie häufig und wie intensiv nutzen sie das Medium?
Kommerzielle Publikumsforschung: Reichweiten, Kontakte und Konsum
- Es geht um Publika (nicht Individuen)
- Meist Reichweitenmessungen, es geht also „nur“ um den Medienkontakt
- Ergebnisse dienen als „Währung“ für Werbetreibende
- redaktionelle Forschung für die Weiterentwicklung der eigenen Geschäftsgelder, der Prüfung der öffentlichen Wahrnehmung und Imagebildung
- Auftragsforschung, nicht frei von wirtschaftlichen Interessen
Akademische Publikumsforschung: Rezeption, Interpretation, Diskussion
- Frei von kommerziellen Interessen, keine unmittelbare Verwertbarkeit
- Theoriegeleitet und explanativ, d.h. Erklärung eines bestimmten Mediennutzungsverhaltens oder von Informationsselektion durch bestimmte Theorien
- Informationsbedürfnis: Orientierung über relevante Ereignisse in der unmittelbaren Umgebung, in der Gesellschaft /Welt. Ratsuche zu praktischen Fragen etc.
- Bedürfnis nach persönlicher Identität: Bestärkung der persönlichen Werthaltungen, Selbstfindung
- Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion: sich zugehörig fühlen, einen Ersatz für Geselligkeit oder Partnerschaft finden
- Unterhaltungsbedürfnis: Wirklichkeitsflucht, Ablenkung von Problemen, emotionale Entlastung, Entspannung
- Vorstellung des Menschen als aktiver Informationsverarbeiter bzw. Problemlöser
- Mediennutzung als aktive-bewusste Entscheidung
- Menschen nutzen Medien, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen → es handelt sich um eine aktive Medienselektion und -rezeption, die funktional dem Erreichen gewünschten Wirkungen dient
- Medien stehen in direkter Konkurrenz zu anderen Wegen der Bedürfnisbefriedigung
- Menschen entscheiden sich für jene Mediennutzung oder ein alternatives Verhalten, das die beste Bedürfnisbefriedigung verspricht
- Annahme der Mediennutzung als rationale Entscheidung, wobei es aber auch passive gibt (Coach-Potatos)
- Bewusste Medienwahl vs. Mediennutzung als Low-Involvement-Entscheidung stellt die Bedeutung der Gratifikation in Frage
- Entstehung von Bedürfnissen wird nicht berücksichtigt, Beziehung zwischen Bedürfnissen und Motiven bleibt unklar
- Widerspruch zwischen Theorie und Empirie:
o Bezug zu situativem Verhalten, da sich Bedürfnisse dynamisch entwickeln, allerdings werden meist situationsübergreifende Motive und Nutzungsmuster erklärt
o Selbstauskunft über habitualisiertes oder unbewusstes Auswahlverhalten kaum möglich
o Missverständnis, dass Medien per se für bestimmte Bedürfnisse geschaffen sind -> sehr hohe Varianz aus Nutzersicht zu beachten
o Soziale Kontakte bleiben unberücksichtigt und zeichnen damit ein Bild von Mediennutzung, die allein und autonom stattfindet
o Setzt Überblick und Kenntnis von Medienangeboten voraus – daher besser geeignet, um die Nutzung serieller, regelmäßiger und konstanter Medienangebote zu erklären
= Kontakt mit Inhalten, der nicht geplant oder gezielt stattfindet
- Kontakt zu bestimmten Medieninhalten als Beiprodukt der Mediennutzung, die andere Zwecke verfolgte
- Fokus liegt nicht auf individuellen Nutzungsabsichten, sondern dem Exposure-Prozess
- Typische Fragen:
o Wie häufig trifft zufällige Exposition auf?
o Wie beeinflusst Sie Meinungen, Einstellungen und Wissen?
o Welchen Einfluss nimmt die Plattform-Logik, Empfehlungen und soziale Kontext
- Gesamtheit und Kombination alles Kanäle/ Quellen, die von einem Individuum im Alltag genutzt werden
- Ergebnis vieler einzelner Selektionsprozesse
- Stabile Mediennutzungsmuster, die eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg an den Tag legt
- Charakterisierende Merkmale:
o Nutzungszentriert (Einbezug des Verhältnisses dieser Medien zueinander)
o Ganzheitlich (Einbezug aller Medien, die regelmäßig genutzt werden)
o Relational (Einbezug des Verhältnisses dieser Medien zueinander)
- Jedes Individuum ist umgeben von einem sozialen Umfeld und der Gesellschaft, in der es lebt
- Individuum nutzt Medien: reinsituativ, in situationsübergreifenden Mustern, auf Basis seiner Medienbewertung und -kompetenz
- Mediennutzung: AV = innere Schichten (individuellen Motive und Bedürfnisse) – Ablenkung, Wissens Erwerb, Langeweile etc.
- Medienwirkung: AV = äußere Schichten (Situationskontexte, soziales Umfeld, Medienangebot selbst) – Erwartungen
Mediennutzung nicht als passiv, sondern aktiver zielgerichteter Prozess, bei dem Nutzer ihre Bedürfnisse durch die Interaktion mit verschiedenen Medienebenen befriedigen.
Definition Mediennutzungsforschung: „Die Mediennutzungsforschung umfasst alle Forschungsansätze die Mediennutzungsepisoden, Mediennutzungsmuster, Medienbewertungen/ -kompetenzen von Individuen, Sozialen Gruppen, Medien Publika beschreiben oder erklären“
- Ansatz, um Selektionsmuster und -prozesse vorherzusagen
- Mediennutzer agieren nicht zwingend bewusst, aber selektiv und interessengeleitet
- Enges Verständnis: Konsistenzszreben oder „Confirmation Bias“ prägt die Medienwahl -> Theorie der kognitiven Dissonanz
- Kritik:
- Zu enger Fokus auf individuelle kognitive Prozesse des „Confirmation Bias“
o Weitere Motive der Selektion (z.B. Stimmungsregulation, soziale Vergleichsprozesse) bleiben unberücksichtigt
o Soziale, ökonomische und technologische Rahmenbedingungen (z.B. algorithmische Selektion) bleiben unberücksichtigt
- Inkonsistente Befundlage
o Es werden keineswegs nur konsistente Information konsumiert, sondern auch dissonante Inhalte können ausgewählt werden
o Form des zufälligen Konsums (→ Incidental News Exposure)
- Methode
o Untersuchung findet meist über Beobachtungen in kontrollierten Laborsituationen
Kognitive Prozesse:
- Niedere kognitive Prozesse, z.B. Aufmerksamkeit, Wahrnehmen, einfaches Verstehen und Verarbeiten (z.B. Mustererkennen, Aktivierung)
- Höhere kognitive Prozesse, z.B. komplexe Verstehens- und Bewertungsprozesse, Wissenserwerb, Schlussfolgern, Problemlösung
- Unterschiedliche Komplexität dargebotener Informationen:
o Visuelle Farb- und Kontrastmuster (Buchstaben im Text, Farblinienverläufe bei Videoinhalten)
o Bedeutungstragende Elemente (Wörter, Objekte, Personen)
o Dynamische Prozesse (Bewegungen, Handlungen)
o Wege und Werkzeuge für interaktive Nutzung („Buttons“, „Links“)
Affektive Prozesse:
- Spannung und Erregung
- Emotionales Erleben/ Unterhaltungserleben, Gefühle, Stimmungen, spezifische Emotionen z.B. Trauer oder Ärger
- Empathisches Mitfühlen
- Beziehungen zu Medienfiguren
- Emotionsregulation (z.T. kognitiver Prozess, der aber emotionale Folgen hat)
Konative Prozesse:
- Verhaltens- und Handlungsabsichten, Wünsche
- Navigations- und Nutzungsverhalten
- Diffusions- und Aneignungsprozesse
- Post-rezeptive Abfrage von Kognitionen, Emotionen oder Verhaltes Tendenzen mittels Fragebögen -> subjektive Messung über eine Selbstauskunft
- Prozess-begleitende Messungen, z.B.:
o Beobachtung (Mimik, Verhalten)
o Physiologische Messungen (Herzrate, Hautleitwiderstand)
o Blickverlaufsmessung zur Erfassung visueller Aufmerksamkeit
o Gesichtselektromyographie zur Erfassung der Gesichtsmuskelaktivität
o Continuous Response Measurement: kontinuierliche Bewertung mittels Eingabegeräte
- Methodenpluralismus: Experiment, Befragung und Beobachtung, qualitativ und quantitati
Grundgedanke: Für die Informationsverarbeitung bei der Mediennutzung stehen nur begrenzte Denk-Ressourcen zur Verfügung
Ressourcen verteilen sich auf den Prozess der Informationsverarbeitung:
- Informationsaufnahme (Encoding) -> Informationsspeicherung (Storage) -> Informationsabruf (Retrieval)
- Mentale Repräsentation der Medienbotschaft im Arbeitsgedächtnis -> Teil-Transfer ins Langzeitgedächtnis -> Abruf der gespeicherten Informationen und Verknüpfung mit neuen Informationen
Das Limited Capacity Model erlaubt Vorhersagen,
- Welche inhaltlichen und formalen Merkmale des Medienangebots automatisch Aufmerksamkeit erlangen.
- Welche Inhalte deshalb eher weiterverarbeitet und gespeichert werden
- Unter welchen Bedingungen Medieninformationen auch längerfristig gelernt werden
- Welche Medieninhalte nicht verarbeitet und auch nicht gelernt werden, weil nicht genügend Verarbeitungskapazität für Verarbeitung und Speicherung zur Verfügung standen
- Erklärt das Entstehen von Spannung während der Rezeption von fiktional-narratives Medieninhalten (Serien etc.)
- Grundannahme
o Unterhaltung basiert auf dem Erleben von Spannung
o Spannung als emotionaler Zustand abhängig von Einstellungen gegenüber Personen im Medienangebot
Annahmen der Affektive Disposition Theory:
Entstehung von Spannung
- Gewünschter Ausgang zögert sich bis zum Ende der Geschichte hinaus
- Zwischenzeitlich scheinen „die Bösen“ im Vorteil zu sein
- Unsicherheit und Empathie mit den Protagonisten bzw. Antipathie ggü. Den Antagonisten als Basis des Spannungserlebens
Gefühle um so stärker,
- Je mehr Spannung aufgebaut wurde
- Je größer moralische und affektive Distanz zwischen Protagonisten und Antagonisten
- Medienakteure vermitteln Illusion einer direkten Interaktion mit Rezipienten
- Rezipienten reagieren ähnlich wie in „echten“ Interaktionen, „echte“ Interaktion mit Medienfiguren ist allerdings nicht möglich -> parasoziale Interaktion
- Ursachen: Automatisierte und unbewusst stattfindende Prozesse der sozialen Wahrnehmung
- Manifestationen/ Prozesse:
o Perzeptiv-kognitive PSI: Bewertungen der Medienperson
o Affektive PSI: Sympathie und Empathie
o Konative PSI: Zurufen einer Warnung
Definition: Medienwirkung als „alle Veränderungen, die – wenn auch nur partiell oder in Interaktion mit anderen Faktoren – auf Medien bzw. deren Mitteilungen zurückgeführt werden können“
- Facettenreiches Phänomen:
o Intendiert vs. Nicht-intendiert
o Wünschenswert vs. Unerwünschte Wirkungsphänomene
o Verschiedenste Typen: Neubildung, Verstärkung, Änderung von Wissen, Einstellungen oder Verhalten
Wiederholter Medienkonsum führt zu verzerrten Realitätsvorstellungen (Kultivierung erster Ordnung) und daraus resultierenden Einstellungen zu sozialen Problemen (Kultivierung zweiter Ordnung)
- Kognitive Wirkungen: Effekte auf Emotionen, Gefühle
o Verzerrte Realtitätsvorstellungen von Vielsehern -> bei fiktionalen Fernsehdarstellungen (Kimi Nutzung -> Überschätzung der Kriminalitätsrate)
- Affektive Wirkungen: Effekte auf Emotionen, Gefühle
o Medienkonsum ruft Angst hervor, Opfer eines Verbrechens zu werden und kultiviert Misstrauen gegenüber Umwelt
- Konative Wirkungen: Effekte auf Verhaltensweisen
o Sicherheitsvorkehrungen gegen Verbrechen
- Makrowirkungen: Wirkung der Medien auf gesellschaftlicher Ebene oder Gesellschaft
- Mesowirkungen: Wirkung der Medien auf Organisationen und Institutionen
- Mikrowirkungen: Wirkung der Medien auf das Individuum
Interindividuelle Unterschiede: Medienwirkung umso wahrscheinlicher und umso größer …
- Je einheitlicher Medien ein bestimmtes Bild der Wirkung darstellen, d.h. mehr Konsonanz im gesamten Mediensystem vorhanden (Konsonanz)
- Je häufiger und auffälliger Themen, Ereignisse, Personen in den Medien sind (Salienz)
- Je mehr Medieninhalte „konstruierte“ Medienrealität sind („Pseudo Ereignisse“, „mediatisierte Ereignisse“)
- Je mehr Mediendarstellung durch interpersonale Kommunikation und Meinungsklima unterstützt wird
- Je weniger die Mediennutzer über eigene unmittelbare Erfahrung und Anschauung verfügen (zum Thema)
- Je weniger ausgeprägt die Prädisposition der Mediennutzer sind (geringes Vorwissen)
- Je größer das Interesse/ Kommunikationsbedürfnis der Mediennutzer
Ursprung: Hintergrund Präsidentschaftswahlkampf in den USA 1968
- Wähler erfahren von den Standpunkten politischer Kandidaten nicht aus direkter Anschauung, sondern aus den Medien
- Die Medien weisen verschiedenen Themen/ Streitfragen (Issues) unterschiedliche große Relevanz zu (Medienagenda)
- Wähler übernehmen diese Relevanzzuweisungen aus den Medien (Publikumsagenda)
- Die Massenmedien bestimmen somit die Agenda der politischen Kampagne
Schlussfolgerung: Medien beeinflussen die Agenda (Tagesordnung) von Themen, die in der Bevölkerung als wichtig angesehen werden.
Kritik:
- Kleine spezifische Stichprobe
- Messung nur zu einem einzelnen Messzeitpunkt
Problem Kausalrichtung: Kausalität setzt voraus, dass Ursache der Wirkung vorausgeht – Berechnung von Kreuzkorrelation oder zeitverzögerten Korrelationen
- Wirkungsintervall – wie lange braucht die Medienagenda, um die Publikumsagenda zu beeinflussen: einen Tag, eine Woche, einen Monat?
- Betrachtete Medien, z.B. Glaubwürdigkeit des Mediums
- Merkmale des Themas, z.B. Aufdringlichkeit
- Themenkonkurrenz zu „Killer“ und „Victim Issues“
- Ereignishintergrund: Routineereignisse versus außergewöhnliche Ereignisse
- Individuelle Merkmale von Rezipienten und ihres direkten sozialen Umfeldes (interpersonale Kommunikation und Primärerfahrung)
Theorie Modifikation:
- Veränderte Bedingungen (z. B. Nutzerkommentare) werden einfachen Ursache-Wirkungs-Annahmen nicht mehr gerecht
- Ausdifferenzierung der Mediennutzung verringert Agenda Setting- Effekte (aber derzeit immer noch vorhanden)
- Verschwimmende Grenzen zwischen interpersonaler Kommunikation, strategischer und journalistischer Kommunikation erschwert Analyse von Agenda Setting-Effekten
Policy Agenda Setting durch Medien:
- Einfluss der Medienagenda auf politische Agenda (im Gegensatz zu Public Agenda-Setting)
- Indikatoren der politischen Agenda: politische Reden, Parlamentsdebatten, Parteiprogramme
- Methode:
o Zeitreihenanalysen: Vergleich der Medienagenda mit politischer Agenda
o Befragungen von politischen Akteuren
- Befunde: geringe Effekte der Medienagenda in Zeitreihenanalyse vs. Starke Effekte in Befragungen
