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PR

Warum sollte man sich mit PR auseinandersetzen?

Kontaktwerte (Kundenkapital)
− Kund*innenstamm und -kontakte

− Sicherheitswerte: Überstehen von Marktschwankungen und Krisen;

Krisenkommunikation zum Schutz gegen Zerstörung immaterieller Werte

(Vertrauen, Reputation, etc.)


Organisationswerte (Strukturkapital)

− Organisationskapital: Strukturen, Prozesse, Unternehmenskultur und -führung

− Imagekapital: kommunikative Vermittlung von Markenimage, Vertrauen,

gesellschaftlichem Ansehen, Tradition, erlebnisorientierten Nutzenversprechen


Beziehungswerte (Beziehungskapital)

− Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette (z.B. Lieferanten,

Kooperationen)

− Beziehungen zur Politik


Mitarbeiterwerte (Humankapital)

− Wissen und Kompetenzen der Mitarbeiter*innen

− Arbeitgeberattraktivität, Organisationskultur, Commitment, Identität, etc.


→ Aber: Immaterielle Werte sind schwierig monetär zu bewerten

Definitionen aus Alltags-, Berufs- und Wissenschaftsperspektive

Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit und Organisationskommunikation

Definition von Public Relations

Public relations is the management of communication between an organization and its
publics

Abgrenzungen zu Journalismus, Werbung und Propaganda

Abgrenzung von PR und Journalismus
▪ Kriterium 1 – Abhängigkeit

▪ Kriterium 2 – Beschreibungsobjekt

▪ Kriterium 3 – Orientierung

▪ Kriterium 4 – Strategie


Abgrenzung von PR und Werbung

▪ Kriterium 1 – Zielgruppen

▪ Kriterium 2 – Bezahlung

▪ Kriterium 3 – Kontrolle


Abgrenzung von PR und Propaganda

▪ Kriterium 1 – Anspruch an Wahrheit und Wahrhaftigkeit vs. Unterordnung des Wahrheitsprinzips

▪ Kriterium 2 – Überzeugen vs. manipulieren/indoktrinieren

▪ Kriterium 3 – Akzeptanz / Legitimation sichern vs. Anschauungen / Ideologie durchsetzen

▪ Kriterium 4 – PR ohne vs. Propaganda mit denunziertem Fremdbild

Welche Kategorien von Medien gibt es?

- Owned Media:
o Eigene Unternehmensmedien, z.B. unternehmenseigene Websites, Kundenzeitschriften, Business TV, Corporate Blogs, Facebook-Profile

o Volle inhaltliche Kontrolle, mittlere Glaubwürdigkeit


- Paid Media:

o Bezahlte Inhalte in fremden Medien, Kontrolle über Inhalt, Gestaltung z.B. Werbung, Product-Placements

o Weitgehende inhaltliche Kontrolle

o Geringe Glaubwürdigkeit


- Earned Media:

o Unbezahlte Inhalte in fremden, unabhängigen Medien ohne direkten Auftrag des Unternehmens (z.B. Medienberichterstattung, Facebookseite von Fans, virale Verbreitung)

o Keine/ geringe inhaltliche Kontrolle

o Hohe Glaubwürdigkeit

- Zunehmende Konvergenz der Inhalte

Was besagt das PESO-Modell von Dietrich zu den Media Relations?

- Paid Media: bezahlte Werbemaßnahmen

- Earned Media: unbezahlte, von Dritten erstellte Inhalte über ein Unternehmen


- Shared Media: Inhalte, die in sozialen Netzwerken geteilt, geliked oder kommentiert werden


- Owned Media: Content auf unternehmenseigenen Plattformen: z.B. Corporate Blogs, Kundenmagazine, unternehmenseigene TV- Sender, Social-Media-Profile

Was sind zentrale Konstrukte?

- Konstrukte: bestimmte Sachverhalte innerhalb wissenschaftlicher Theorien
- Manifeste Konstrukte: direkt beobachtbar und können über einzelnen Indikator erhoben werden (Alter, Einkommen…)

- Latente Konstrukte: entziehen sich einer direkten Beobachtbarkeit und müssen über mehrere Indikatoren gemessen werden (Intelligenz, Persönlichkeitsmerkmale, Gewaltbereitschaft)

- Operationalisierung „Messbarmachung“: der Forscher entscheidet, wie (also mittels welcher Indikatoren) ein Konstrukt gemessen wird

Image im Sinne eines kognitiven Schemas:

- „Schemata kann man als große, komplexe Wissenseinheiten bezeichnen, die die typischen Eigenschaften, also quasi feste, standardisierte Vorstellungen umfassen, die man von bestimmten Objekten, Personen oder Ereignissen hat“ (Esch, 2011, S. 85).
- Ein Image ist das mentale „Bild“ (kognitive Schema), das eine Person von einem Objekt (z.B. einem Unternehmen) im Gedächtnis gespeichert hat. Es beinhaltet das Wissen inklusive der bewertenden Meinungen über das Objekt.

- Images sind dabei dynamische Konstrukte.

- „Images können verstanden werden, als stark vereinfachte, typisierte und mit Erwartungen verbundene individuelle Vorstellungsbilder von Imageobjekten, d.h. Personen, Organisationen und Gegenständen“

- „Ein Unternehmensimage ist eine individuelle Gedächtnisstruktur, in der das Wissen einer Person über ein Unternehmen in Form von Attributen, die dem Unternehmen zugeschrieben werden, repräsentiert ist. Ein Image kann befürwortend, ablehnend, ambivalent oder auch neutral sein“

- Markenzeichen als Schlüsselreiz für die Aktivierung von Images

Reputation

- Die Sorge um den guten Ruf
- Kollektive Wahrnehmung und Bewertung eines Unternehmens auf bestimmte Attribute, die aus dem öffentlichen und persönlichen Austausch individueller Images von einem Unternehmen resultiert


Reputation: Drei Bedeutungscluster

- Reputation als Awareness (Wahrnehmung)

- Reputation als Assessment (Bewertung)

- Reputation als Asset (Vermögenswert)

- Assessment Ansatz am präzisesten und theoretisch fruchtbarsten

Vertrauen

- Interpersonales Vertrauen: in andere Menschen (zwischenmenschliche Beziehung) und in Organisationen
- Objektvertrauen: vertrauen in das fehlerfreie Funktionieren eines Objekts

- Systemvertrauen: in depersonalisierte Systeme, die quasi unabhängig funktionieren (Schulsystem, Finanzsystem)

- Intrapersonales Vertrauen: in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten; Selbstvertrauen

Theorie des öffentlichen Vertrauens von Bentele (1992)

- Parteien, Unternehmen, Verbände, Medien sind zur Erfüllung ihrer Aufgaben auf öffentliches Vertrauen angewiesen.
- Sonderrolle der Medien als Vertrauensnehmer und Vertrauensvermittler im Prozess der öffentlichen Kommunikation.

- Problem: Vertrauen in wichtige gesellschaftliche Teilsysteme (v.a. Politik, Wirtschaft) sinkt.

- Vertrauenskrisen sind wichtige Herausforderungen für die Public Relations

Eine kurze Geschichte der Unternehmenskommunikation (Bentele, 2013)

(Vorgeschichte)
Entstehung des Berufes 1850-1918

Konsolidierung und Wachstum 1918-1933

NS-Pressearbeit 1933-1945

Neubeginn und Aufschwung 1945-1958

Konsolidierung des Berufsfelds 1958-1985

Boom des Berufsfelds, Professionalisierung 1985-1995

Einfluss des Internets, Globalisierung, Social Media 1995-heute

Stakeholderansatz

Stakeholder sind Personen, die Ansprüche an ein Unternehmen besitzen: „Any
individual or group who can affect or is affected by the actions, decisions, policies,

practices, or goals of the organization“ (Freeman, 1984, S. 25)


▪ Im Gegensatz zu Zielgruppen, die durch eine Organisation selbst bestimmt werden


▪ Unternehmen müssen sich mit unterschiedlichsten Akteuren und Akteursgruppen

auseinandersetzen, deren Ansprüchen kennen und sie berücksichtigen


→ Primäre Stakeholder: Personen mit legitimen Anspruch, die für den Fortbestand

einer Organisation essentiell sind (Investoren, Kunden, etc.)


→ Sekundäre Stakeholder: keine direkten legitimen Ansprüche (Anwohner,

Journalisten, etc.)


▪ Organisationen müssen Anspruchsgruppen und deren Interessen identifizieren und

gerecht werden


▪ Erfolg eines Unternehmens hängt nicht nur von dessen ökonomischer

Leistungsfähigkeit ab, sondern auch von seiner gesellschaftlichen Akzeptanz

(Legitimation)

Probleme bei der Bestimmung des Berufsfelds

Schwierigkeiten beim Bestimmen der Grundgesamtheit
▪ Heterogenität und Konturlosigkeit der Aufgabenfelder

▪ Unscharfe Grenzen zu benachbarten Disziplinen

▪ Haupt- und Nebenberuflichkeit der Akteure

▪ PR-Tätigkeiten nicht nur von Experten, sondern oftmals von Laien

„nebenbei“ verrichtet


Schwierigkeiten beim Ziehen einer Stichprobe

▪ PR-Akteure in verschiedensten Bereichen tätig

▪ Kein Berufsregister, keine offizielle Berufsstatistik für die PR-Branche

▪ Keine geschützte PR-Berufsbezeichnung, uneinheitliche Begriffe


Trends im Berufsfeld

▪ Quantitative Vergrößerung

▪ Relevanzsteigerung

▪ Differenzierung und Spezialisierung des Berufsfelds

▪ Feminisierung des Berufsfeldes

▪ Akademisierung / Professionalisierung

▪ Internationalisierung

CSR

CSR-Engagement „als ein freiwilliges und an den Interessen der Stakeholder
orientiertes Engagement von Organisationen in sozialen, ökologischen und

ökonomischen Bereichen, das dazu dient, sich dauerhaft für eine nachhaltigere

Gesellschaft einzusetzen“


▪ CSR Pyramide: beschreibt die verschiedenen

Verantwortungsebenen von Unternehmen im Rahmen ihrer CSR, die hierarchisch

angeordnet sind: ökonomische, rechtliche , ethische und

philanthropische Verantwortung


▪ Positive Effekte der CSR-Kommunikation auf: (1) Image und Reputation, (2)

Loyalität und Marktposition, (3) Mitarbeitende und Talente sowie (4)

Risikomanagement und Stabilität


▪ Allerdings auch Skepsis gegenüber CSR-Kommunikation, positive Effekte u.a.

abhängig von (1) Fit der CSR-Maßnahmen, (2) Motive für CSR-Maßnahmen, (3)

Ausmaß der CSR-Kommunikation


-> Corporate Social Responsibility

Fit, Motive und Ausmaß von CSR-Maßnahmen und ihrer Kommunikation

CSR Fit: ‘‘The perceived congruence between a social issue and a
company’s business’’ (Du et al., 2010, S. 12), positivere Effekte bei

hohem Fit; verschiedene Arten des Fit, u.a.: (1) Functional vs. Image Fit

sowie (2) Natural vs. Created Fit


CSR-Motive: Menschen hinterfragen Motive hinter CSR-Engagement

(Attributionstheorie) und differenzieren zwischen intrinsischen (aus

innerer Überzeugung, Werteverständnis) und extrinsischen Motiven

(eigennützig und strategisch, um den Umsatz zu steigern oder Produkte

zu promoten); bei Wahrnehmung intrinsischer Motivation bewerten sie

das Engagement positiver und glaubwürdiger, bei Wahrnehmung

extrinsischer Motivation negativer und unglaubwürdiger


Ausmaß der CSR-Kommunikation: gesteigertes Ausmaß an CSR-

Kommunikation evoziert nur dann positive Einstellungseffekte bei

Rezipierenden, wenn auch tatsächlich ein hohes Ausmaß an CSR-

Aktivitäten vorliegt, andernfalls können sogar negative Effekte

auftreten (weil Persuasionswissen und in der Folge auch Reaktanz

evoziert werden)

Greenwashing - Definition

„Greenwashing as a discrepancy between environmental
communication and actual environmental practices, whereby

organizations portray themselves, their products/services, or their

processes as greener than they are; this discrepancy arises through

the communication of false, vague, irrelevant, or selective

information.” (Koch & Denner, 2025, S. 1).


Jay Westerveld nutzte den Begriff „Greenwashing“ 1986 erstmals, um

seiner Kritik an der Hotelindustrie Ausdruck zu verleihen, weil diese

mit Maßnahmen, die angeblich dem Umweltschutz dienen sollten

(Handtücher nicht täglich wechseln), wirtschaftlicher zu agieren


Six sins of Greenwashing: #1 versteckter Trade-Off, #2 fehlende

Beweise, #3 Ungenauigkeit, #4 Irrelevanz, #5 Das kleinere Übel

darstellen, #6 Flunkern

CSR-Pyramide

Ökonomische Verantwortung (Basis): Ein Unternehmen muss profitabel sein, um langfristig zu bestehen. Diese Ebene ist die fundamentale Voraussetzung („Required by society“), da ohne wirtschaftlichen Erfolg keine anderen Verantwortungen übernommen werden können.

Gesetzliche Verantwortung: Unternehmen sind verpflichtet, sich an geltende Gesetze und staatliche Regulierungen zu halten. Dies bildet das rechtliche Fundament für faires wirtschaftliches Handeln („Required by society“).


Ethische Verantwortung: Diese Ebene verlangt von Unternehmen, über gesetzliche Vorgaben hinaus „das Richtige“ zu tun und moralisch fair gegenüber Stakeholdern (wie Mitarbeitern oder der Umwelt) zu handeln („Expected by society“).


Philanthropische Verantwortung (Spitze): Hierbei handelt es sich um freiwilliges Engagement, durch das ein Unternehmen ein „guter Bürger“ sein möchte (Corporate Citizenship). Beispiele sind Spenden, Sponsoring oder die Förderung gemeinnütziger Projekte („Desired by society“).

Funktionen von Medienarbeit

Zielgerichtete Selbstbeschreibung einer Organisation, ihrer Leistungen und Standpunkte
gegenüber Journalisten (Selbstbeschreibungsfunktion)


Weiterverbreitung (Medienpublizität) zentraler Aussagen, Positionen und Bewertungen in

journalistischen Medien (Multiplikationsfunktion)


Transformieren der Selbstbeschreibung in eine journalistische Fremdbeschreibung

(Transformationsfunktion)


Vorteile der Multiplikation und Transformation durch Journalisten

▪ Große Reichweite

▪ Geringe Kosten

▪ Vertrauenswürdigkeit journalistischer Berichterstattung

Determinationsthese

Nachrichten sind kein Abbild der Realität, sondern Ergebnis von Selektions-, Verarbeitungs- und
Konstruktionsprozessen.


Dabei beeinflussen verschiedene Akteure das Ergebnis der Berichterstattung (z.B. Journalisten, Verleger, Leser,

Öffentlichkeitsarbeit).


Determinationsforschung hinterfragt nun die Bedeutung von PR-Informationen beim Zustandekommen von

Medieninhalten.

„Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus? Zum Einfluss im Mediensystem“ (Baerns, 1985)
Input-Output-Analyse

Thematisierungsleistung: PR stellt Themen bereit; 62% der Berichterstattungsanlässe sind auf PR
zurückzuführen


Transformationsleistung: journalistische Zusatzrecherche spielt untergeordnete Rolle; über 80% der Beiträge

beruhten auf einer Quelle; sehr schnell publiziert (zu 65-70% noch am selben Tag)


Quellentransparenz: hohe Intransparenz, irreführende Quellen (z.B. Agenturen)

Intereffikationsmodell

Zwei empirisch untersuchbare Grundbeziehungen: Induktionen und Adaptionen

Induktionen

Intendierte, gerichtete Kommunikationsanregungen, die Einflüsse auf die jeweils andere Seite ausüben können

▪ Induktionen seitens der PR

▪ Induktionen seitens des Journalismus


Adaptionen

Kommunikatives und organisatorisches Anpassungshandeln

▪ Anpassungen seitens der PR

▪ Anpassungen seitens des Journalismus


Diese finden auf drei Ebenen statt:


- Sachebene

o Themen und deren Selektion

o Festlegung von Relevanzen

o Bewertung von Sachverhalten

o Präsentation der Information


- Zeitebene

o PR und Journalismus können über Timing und Themen partiell (!) bestimmen

o Zeitliche Arbeitsabläufe und Periodizität der Medien

o Dauer von Themen


- Psychisch-soziale Ebene

o Persönliche soziale Beziehungen

o Organisatorischer Rahmen

Strategisches Verständnis (formelle Kommunikation)

- Die interne Unternehmenskommunikation wird definiert als die Kommunikation zwischen den strategischen Führungskräften einer Organisation und ihren internen Stakeholdern, die darauf abzielt, die Bindung an die Organisation, das Zugehörigkeitsgefühl, das Bewusstsein für ihr sich wandelndes Umfeld und das Verständnis ihrer sich entwickelnden Ziele zu fördern.

Ganzheitliches Verständnis (formelle und informelle Kommunikation)

- Interne Unternehmenskommunikation umfasst sämtliche kommunikative Prozesse, die sich in einem Unternehmen zwischen Mitarbeitern der verschiedenen Abteilungen und Hierarchiestufen abspielen. Sie reicht von Alltags- bis zu Krisensituationen und sorgt dafür, dass Wissen, gemeinsame Werte und Unternehmensziele für alle Mitarbeiter zugänglich und erlebbar werden

Zentrale Konstrukte (interne Stakeholder)

- Organisationen als soziale Systeme, in denen Menschen langfristig zusammenarbeiten: (Minigesellschaften“ mit eigener Geschichte, spezieller Sprache, Ritualen und Artefakten)

- Organisationskultur:

o Von Mitgliedern einer Organisation akzeptierte und geteilte Werte und Annahmen

o Schaffen ein tief verankertes Verständnis davon, welche Verhaltensweisen wünschenswert sind und welche nicht

o „ungeschriebene Gesetze“

o Entwickeln sich über längere Zeit und sind zugleich Ergebnis und Mittel sozialer Interaktionen


- Organisationsklima:

o Relativ überdauernde Qualität der inneren Umwelt der Organisation, die durch die Mitglieder erlebt wird, ihr Verhalten beeinflusst und durch die Werte einer bestimmten Menge von Merkmalen der Organisation beschrieben werden kann“


- Organisationale Identität:

o Wer sind wir als Organisation?

o Kollektives, von den Mitarbeitenden eines Unternehmens geteiltes Verständnis der Werte und Attribute, die das Unternehmen ausmachen

Relevanz der Mitarbeitendenkommunikation

Arbeit dient nicht nur dem Broterwerb, sondern erfüllt auch andere Bedürfnisse

Selbstverwirklichungsbedürfnisse: Eigenverantwortung, Weiterentwicklung, Macht, Einfluss


Wertschätzungsbedürfnisse: Anerkennung, Lob, emtgegengebrachtes Vertrauen, Reputation des Unternehmens


Soziale Bedürfnisse: Gemeinschaftssinn, Kollegialität, Gute Zusammenarbeit im Team


Sicherheitsbedürfnisse: Sicherheit des Arbeitspatzes, Altersversorgung


Physiologische Bedürfnisse: Existenzielle Versorgung, Gesunder Arbeitsplatz, Ausreichende Bezahlung

Ziele der Mitarbeiterkommunikation

Information und Dialog
▪ Vermittlung arbeitsrelevanter Informationen

▪ Vertrauen durch transparente Kommunikation von Zielen, Entscheidungen

und Strategien

▪ Begleitung von Veränderungen: Sorgen & Ängste abbauen

▪ Listening: Wahrnehmung des Anspruchs auf Mitwirkung


Aktivierung zentraler Konstrukte

▪ Gestaltung & Vermittlung des Unternehmensklimas

▪ Gestaltung & Vermittlung einer Unternehmensidentität

▪ Gestaltung & Vermittlung einer Unternehmenskultur


Commitment (und Motivation)

▪ Identifikation mit dem Unternehmen

▪ Motivation und Engagement

▪ Loyalität und Commitment


Außenwirkung

▪ Mitarbeitende als Außenbotschafter

▪ Soziale Netzwerke zur Multiplikation

▪ Effekte auf Image, Reputation und Vertrauen

Systematisierung der Aktivitäten

Kommunikatoren: Wer kommuniziert?
Auswahl der Quelle: entsprechende Abteilung selbst, Führungskräfte oder Mitarbeitende als Testimonials


Themen: Was wird kommuniziert?

Identifikation relevanter Themen: Differenzierung nach Relevanz

(Informationsüberlastung)


Medien und Kanäle: Über welche Wege wird kommuniziert?

Medien- und Kanalvielfalt, Differenzierung nach persönlich und

medial vermittelter Kommunikation


Rezipierende: An wen wird kommuniziert?

Identifikation relevanter Empfänger: Informationsüberlastung,

daher sinnvolle Selektion


Effekte: Welche Wirkung soll eintreten?

Information/Dialog, Aktivierung, Commitment (und Motivation),

Außenwirkung

Ebenen der internen Kommunikation

Führungsebene:
Kommunikation zwischen Führungskräften. Sie dient der Abstimmung von Strategien, Zielen und Entscheidungen und wird auch als horizontale Managementkommunikation bezeichnet.


Horizontale Kommunikation (Managementkommunikation)

Austausch zwischen Führungskraft und Führungskraft auf derselben Hierarchieebene, z. B. zwischen Abteilungsleitungen.


Vertikale Kommunikation Top-down (Mitarbeitendeninformation)

Kommunikation von Führungskräften zu Mitarbeitenden. Sie umfasst Informationen, Anweisungen, Ziele und Entscheidungen des Managements.


Vertikale Kommunikation Bottom-up (Vorschlagswesen)

Kommunikation von Mitarbeitenden zur Führungsebene. Sie beinhaltet Feedback, Ideen, Kritik und Verbesserungsvorschläge.


Mitarbeitendenebene

Ebene der operativ tätigen Mitarbeitenden im Unternehmen.


Horizontale Kommunikation (Kollegenkommunikation)

Austausch zwischen Mitarbeitenden auf derselben Hierarchieebene, z. B. zur Koordination von Aufgaben oder zum informellen Informationsaustausch.

Public Affairs

Public Affairs (PA) ist das strategische Management von Entscheidungsprozessen an der
Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. PA organisiert die externen

Beziehungen einer Organisation, vor allem zu Regierungen, Parlamenten, Behörden,

Gemeinden sowie Verbänden und Institutionen – und zur Gesellschaft selbst

Interne Wirkungsdimension

Beobachtung der Umwelt und Empfehlungen zur Anpassung der Organisation an spezifische
Veränderungen


Umweltbeobachtung und Informationsgewinnung

Beobachtung der politisch-administrativen Umwelt, Informationen als Grundlage für Empfehlungen an

das Management zur Anpassung der Organisation an die Umwelt

Methoden: klassisches Issues Management (z. B. Entstehung von Protestgruppen oder vermehrte

Artikulation kritischer Themen) sowie informelle Informationen von Parteien, Parlamenten, Regierungen

oder Verwaltung

Bridging

Empfehlungen zur Anpassung der Organisation an beobachtete und erwartete (Antizipationsfunktion)
politische Entwicklungen (z.B. Suche der Energiekonzerne nach alternativen Energien nach Beschluss

zum Atomausstieg)

Externe Wirkungsdimension

Schützen der Organisation vor politisch-administrativen Umweltveränderungen durch Beeinflussung der Politik

Lobbying als nichtöffentliche Form der Public Affairs

Ziel: Beeinflussung politischer Entscheidungen: z.B. Gesetze, Verordnungen, etc.

Begriff: „Lobby“ (engl. für Vorhalle), tendenziell negative Konnotation


Artikel 17 Grundgesetz (Petitionsrecht)


Kritik: Intransparenz, Eingriff in die staatliche Souveränität, unlautere Methoden, ungleiche

Interessenberücksichtigung, Seitenwechsel von Politikern

Public Campaigning als öffentliche Form der Public Affairs

Beeinflussung der öffentlichen Meinung, um Druck auf Politik und Verwaltung auszuüben

Setzen eigener Themen mit verbundenen Interpretationsschemata

Grassroot Lobbying

Rekrutierung von Unterstützern, um öffentliche Unterstützung für eine Sache zu signalisieren und so Druck auf
Entscheidungsträger aufzubauen


Mischtyp aus Lobbying (auch direkte Ansprache der Entscheidungsträger ohne Umweg über Massenmedien)

und Public Campaigning (indirekter Charakter, weil initiierende Public-Affairs-Akteure Entscheidungsträger

nicht direkt ansprechen).

Persuasive Kommunikation

„any message that is intended to shape, reinforce, or change the responses of another, or others“
(Miller, 1980)


„Message“: Nicht als bloße Zeichen zu verstehen, eher als Kommunikationsprozess mit der

Voraussetzung einer Wahlfreiheit (im Unterschied zu Zwang)


„Intended“: bewusster Versuch einer anderen Person mit dem Ziel, das Verhalten des

Kommunikationspartners zu beeinflussen (oftmals über den Umweg von Einstellungen,

Emotionen, Kognitionen)


„shape, reinforce, or change“: Verhaltensweisen bzw. Einstellungen formen, verstärken oder

ändern (nicht nur Veränderung von Verhalten)

Elaboration Likelihood Model (ELM) - Schnelles Denken, langsames Denken

erklärt, wie persuasive Kommunikation Einstellungen verändert. Entscheidend ist, wie stark eine Person Informationen verarbeitet.

Zentrale Route:

Wenn Motivation und Fähigkeit zur Informationsverarbeitung hoch sind, setzen sich Personen kritisch und intensiv mit den Argumenten auseinander (high elaboration). Führt die Überzeugung zum Erfolg, entsteht eine stabile, langfristige und widerstandsfähige Einstellung.


Periphere Route:

Wenn Motivation oder Fähigkeit gering sind, erfolgt die Verarbeitung über oberflächliche Hinweisreize (z. B. Attraktivität der Quelle, Emotionen, einfache Slogans) ohne tiefes Nachdenken (low elaboration). Die resultierende Einstellung ist instabil und leicht veränderbar.

Persuasionswissen

Individuelle Erfahrungen und Einschätzungen, z.B. zur Angemessenheit des Persuasionsversuchs oder zu Absichten des Werbenden

Rezipierende können also Persuasionsversuche erkennen und wenden kognitive Strategien und Verhaltensweisen an, um diese zu bewältigen


Das Erkennen von Persuasionsversuchen kann als Einschränkung persönlicher Entscheidungsfreiheit empfunden werden


Dies kann dann Reaktanz auslösen

Reaktanz

Verlust persönlicher Freiheit durch selbstauferlegte Einengung, sozialer Einfluss, Barrieren (Ausverkauf)

Motivation bei Verlust persönlicher Freiheit diese zu sichern oder wiederherzustellen (Reaktanz)


Folgen: Verhaltenseffekte (Aggression, boomerang effect), Subjektive Effekte (Unzufriedenheit)

Heuristiken

Vereinfachte Denk- oder Entscheidungsregeln, mit denen Menschen schnell zu einer Lösung kommen, ohne alle Informationen vollständig zu analysieren

Mentale Abkürzungen

Warum nutzen wir Heuristiken und was ist das Problem?

sie sparen Zeit und Energie

sie helfen bei unsicheren oder komplexen Situationen


sie funktionieren oft genug, auch wenn sie nicht perfekt sind


Problem:


sie können zu Denkfehlern führen (Biases)


persuasive Kommunikation macht sich diese Biases gezielt zunutze, um Menschen zu überzeugen


Mögliche Verzerrungen durch Heuristiken (Beispiele)


Verfügbarkeitsheuristik: systematische Verzerrung, bei der Urteile auf Informationen basieren, die leicht erinnerbar oder präsent sind (z. B. Überschätzen der eigenen Mitarbeit im Haushalt oder Büro, weil eigene Tätigkeiten besser erinnert werden)


Ankerheuristik: systematische Verzerrung, bei der sich Urteile an einem vorgegebenen oder zufälligen Startwert (Anker) orientieren


Bestätigungsheuristik (Confirmation Bias): systematische Verzerrung, bei der Informationen bevorzugt ausgewählt, interpretiert und erinnert werden, die bestehenden Überzeugungen.

Reziprozität

- Bezeichnet eine Heuristik, bei der Individuen automatisch dazu neigen, auf erhaltene Gefälligkeiten oder Vorteile mit einer entsprechenden Gegenleistung zu reagieren, um soziale Bindungen zu stabilisieren

- Wie sind so sozialisiert, dass wir anderen zurückgeben, was wir von ihnen bekommen haben

- Bis eine Person die aus einer Interaktion entstandenen Erträge zurückzahlt, besteht eine „Schuld“


- -> aus unausgeglichenen Tauschbeziehungen entsteht Macht

Door-in-the-Face-Technik (Reziprozität)

eine Überzeugungsstrategie, bei der zuerst eine übertrieben große Bitte gestellt wird, die fast sicher abgelehnt wird. Danach folgt eine deutlich kleinere, realistischere Bitte.

Durch den Kontrasteffekt wirkt die zweite Bitte moderat und akzeptabel. Zusätzlich entsteht beim Gegenüber das Gefühl von sozialem Ausgleich („Der andere ist mir entgegengekommen, also komme ich ihm auch entgegen“).


Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass der zweiten Bitte zugestimmt wird, ist deutlich höher, wenn vorher die übertriebene Forderung gestellt wurde (z. B. ca. 50 % Zustimmung vs. 17 % ohne Vorbitte).

Verknappung

- Fungiert als Heuristik, indem Individuen knappe Güter oder Gelegenheiten automatisch als wertvoller wahrnehmen und schneller handeln (unabhängig von ihrem tatsächlichen Nutzen)

- Möglichkeiten erscheinen uns umso wertvoller, je weniger erreichbar sie sind


- Knappheit kann natürlich begrenzt sein oder absichtlich herbeigeführt werden


- Möglichkeit: Stückzahl limitieren, zeitliche Verfügbarkeit limitieren, Verfügbarkeit eines Rabatts limitieren, vage Verknappen (solange das Angebot reicht)


Mechanismus 1: Reaktanz, also die Motivation, die Einschränkung der persönlichen Freiheit wiederherzustellen. Man fühlt sich durch die Verknappung eingeengt


Mechanismus 2: Konformität. Gedanke, wenn Produkte rar sind, ist die Nachfrage groß. Große Nachfrage bedeutet, dass viele das Produkt gut finden – also muss es gut sein


Mechanismus 3: Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten. Der Gedanke, etwas verlieren zu können, hat eine stärker motivierende Wirkung als der Gedanke, etwas Gleichwertiges gewinnen zu können

Konformität

- Bezeichnet das Anpassen des eigenen Urteils oder Verhaltens an die Mehrheit. Als Heuristik dient sie Menschen als mentale Abkürzung, um Entscheidungen zu treffen, ohne die Situation selbst vollständig zu analysieren

- Wir orientieren uns also an dem, was andere für richtig halten. Besonders in mehrdeutigen oder ungewissen Situationen


- Statt alle Informationen zu prüfen, orientieren sich Personen an der Annahme: „Wenn viele andere so denken oder handeln, ist es wahrscheinlich richtig.“


- Mechanismen:

Normativer sozialer Einfluss: Verspüren von Isolationsfurcht und Konformitätsdruck. Weil Menschen als soziale Wesen ständig ihre soziale Umwelt beobachten und prüfen, welche Meinungen und Verhaltensweisen gebilligt werden. Passen sich der Norm/ Mehrheitsmeinung an


Informativer sozialer Einfluss & Lernen am Modell: Bei Unsicherheit Orientierung am Urteil anderer Personen. Zudem beobachten Menschen stets Verhalten, speichern dieses ab, reproduzieren es in ähnlic

Autorität:

- Zugeschriebene Autorität beeinflusst maßgeblich den Persuasionserfolg

- In unserer Sozialisation erlernen wir die Bereitschaft, Autoritäten zu folgen


- Einfache Symbole suggerieren Autorität (Titel, Uniform etc.)


- Klassiker: Milgram-Experiment (1961) → Menschen gehorchen autoritären Anweisungen selbst bei potenziell schädlichen Handlungen


o Untersuchung des Zusammenhangs von Bestrafung und Lernerfolg anhand simpler Aufgaben, bei denen ein „Lehrer“ (Versuchsperson) bei Fehlern Stromschläge geben soll (15 V-Steigerung pro Fehler, bis 450 V). „Schüler“ (eingeweihter Schauspieler) täuscht Schmerzen vor (Stöhnen, Schreie, Verweigerung, Stille).


o Versuchsleiter übt Druck aus. Ohne Anweisungen brechen VPs schnell ab, unter Anweisung führen sie das Experiment trotz erheblichem Unbehagen fort.

Konsistenz

Wir handeln so, dass unser Verhalten zu unseren früheren Handlungen passt

Wenn Menschen einmal eine Position eingenommen, ein Verhalten gezeigt oder ein Statement abgegeben haben, fühlen sie sich oft verpflichtet, daran festzuhalten


- Mechanismen:


o Soziale Erwartungen: Andere Menschen erwarten Konsistenz. Wer widersprüchlich ist, wirkt unzuverlässig


o Selbstbild: Wir wollen ein Bild von uns selbst aufrechterhalten


o Psychologischer Druck: Inkonsequentes Verhalten erzeugt ein unangenehmes Gefühl, kognitive Dissonanz genannt

Kognitive Dissonanztheorie

- Menschen streben nach kognitiver Konsistenz – also einem Zustand, in dem ihre Gedanken, Überzeugungen und Handlungen im Einklang sind

- Wenn Inkonsistenzen auftreten, entsteht ein unangenehmes Spannungsgefühl, die kognitive Dissonanz


Auflösung:

1. Eine konfligierende Kognition oder Verhaltensweise wird geändert

2. Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt

3. Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen

4. Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt

Glaubwürdigkeit:

- Aussagen werden eher als gültig/ zutreffend akzeptiert

- Besteht aus zwei Dimensionen


o Kompetenz: Fachwissen und themenbezogene Erfahrung -> größte Wirkung auf Überzeugung

o Vertrauenswürdigkeit: Absicht, die Wahrheit zu sagen -> verhindert, dass Kompetent allein manipulativ wirkt


- Quellengklaubwürdigkeit gilt nach wie vor als zentraler Einflussfaktor im Persuasionsprozess

Sympathie

- Sympathische Personen überzeugen leichter

- Spannungsverhältnis zwischen Sympathie und Kompetenz: Sehr sympathische Person -> Kompetenz wird tendenziell niedriger. Kompetente Person -> tendenziell als weniger sympathisch


- Quelle sollte also sowohl sympathisch als auch kompetent erscheinen

Attraktivität

- Überzeugen leichter als unattraktive

- Einsatz in Werbung und politischer Kommunikation


- Attraktive Personen erleben mehr positive soziale Interaktionen -> entwickeln bessere soziale Fähigkeiten und Selbstbewusstsein -> überzeugenderes Auftreten


- Effekt ist nicht universell: kann in manchen Situationen neutral oder sogar hinderlich sein

Ähnlichkeit

- Menschen lassen sich eher von Personen überzeugen, die ihnen ähnlich erscheinen

- Zwei zentrale Dimensionen der Ähnlichkeit:

o Membership similarity: Zugehörigkeit zu gleichen Gruppen (Alter, Geschlecht etc.)

o Attitudinal similarity: Ähnliche Ansichten, Werte, Interessen


- Effekte variieren je nach Relevanz der Ähnlichkeitsdimension


- Erklärung: Mediation über Glaubwürdigkeit oder Sympathie, weil ähnliche Personen glaubwürdiger sind und sympathischer wirken


- Einsatz in Werbung (Ich bin einer von euch)

Definition von Krisen (5 Charakter - kommt in die Klausur!)

Episodischer Charakter von Krisen: Organisationskrisen sind zeitlich begrenzte Episoden mit klarem
Anfang und Ende (Unterschied zu dauerhaften Dysfunktionen), die plötzlich oder schleichend

(„smoldering crisis“) entstehen können; auslösende Ereignisse (Trigger) sind nicht mit der Krise

gleichzusetzen.


Organisationsbezogener Kontext: Organisationale Krisen entstehen innerhalb von Organisationen

oder in enger Verbindung zu ihnen (strukturierte, zielorientierte Systeme, in denen Menschen

koordiniert zusammenarbeiten) – es sind keine Mikro- (z.B. individuellen, interpersonelle) oder

Makrokrisen (z.B. Pandemie, Politische Krise), sondern auf der Mesokrisen.


Wahrnehmung als bedrohlich durch kritische Masse relevanter Stakeholder: Krisen entstehen,

wenn relevante Stakeholder einen Vorgang als bedrohlich wahrnehmen („Perception is more

important than reality“; Benoit, 1997, S. 178), sie sind sozial konstruiert; dabei wird eine kritische

Masse relevanter Stakeholder benötigt, um von einer (irrelevanten) individuellen zu einer

(relevanten) kollektiven Wahrnehmung zu gelangen.


Signifikantes Risiko: Krisen unterscheiden sich von „normalen Problemen“ durch ein signifikant

hohes Risiko – die Risikoabschätzung bewertet die potenzielle Gefahr eines Ereignisses durch die

Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und Ausmaß der möglichen Folgen („not the actual

impact, but the elevated likelihood of consequential harm”).


Potenziell schwerwiegende Folgen: Krisen können Organisation, Stakeholder und Gesellschaft stark

beeinträchtigen; es ist allerdings potentiell – daher enden manche Krisen auch positiv, führen zu

Lerneffekten, Change oder Resilienzsteigerung. Auswirkungen können die Organisation, Stakeholder

oder die Gesellschaft betreffen.

Definition Krisen kurz

We define organizational crises as episodes within an organization’s lifespan that are perceived as
threatening by a critical mass of relevant stakeholders due to their significant risk of severe consequences

Endogene Ursachen von Krisen

(im Unternehmen selbst
entstanden – intern verantwortet)


z.B. Produkt- und Qualitätsmängel,

Betriebsstörungen & Störfälle, Gesetzes- und

Compliance-Verstöße, Management- und

Führungsversagen, Unzureichende Kommunikation

Exogene Ursachen von Krisen

(außerhalb des Unternehmens
– extern verantwortet)


z.B. Erpressung, Konjunktur- und

Wettbewerbsentwicklungen, feindliche

Übernahmen, Verleumdung/Rufschädigung,

Naturkatastrophen, Branchenkrisen

Drei Krisentypen nach Coombs & Holladay

Opfer-Krisen (extrern)
- Narutkatastrophen

- Falsche Gerüchte

- Produktionssabotage/ Böswilligkeit


Unfall-Krisen

- Herausforderungen durch Stakeholder

- Technische Fehler

- Produktionsdefekte


Vermeidbare Krisen (von Intern)

- Menschliches Versagen

- Vergehen

- Missmanagement


-> Verstärker: Krisenhistorie, negative Reputation

Krisenmanagement

Um den Ausgang einer Krise mitzubestimmen und die
Gefahren, die durch eine Krise ausgehen, abzuwenden,

betreiben Unternehmens Krisenmanagement.


Krisenmanagement beschreibt also den Umgang des

Unternehmens mit Krisensituationen.

definiert es als: „a set of factors designed to combat crises and

to lessen the actual damages inflicted”.


Ein zentraler Teil des Krisenmanagements ist die

Kommunikationsstrategie, mit der auf eine Krise reagiert wird.

Diese Krisenkommunikation kann definiert werden als „dialog

between the organisation and its publics prior to, during and

after negative occurrence“


Oder als “the collection, processing, and dissemination of

information required to address a crisis situation“

Krisenphasen (4- Phasenmodell)

1. Krisenprävention & Früherkennung

2. Krisenvorbereitung


3. Akutes Krisenmanagement


4. Krisennachsorge -> 1


Je mehr Zeit vergeht, desto kleiner wird der Handlungsspielraum und desto höher die Kosten. Das Interesse der Öffentlichkeit nimmt rasant zu, steigt dann aber wieder koninuierlich.

Krisenprävention

„An issue ignored is a crisis invited“

„Das beste Krisenmanagement wäre zweifellos, eine Krise gänzlich zu verhindern“


Krisen entstehen eher selten aus dem ‚Nichts‘, teilweise lange Vorlaufphasen, oft nur schwache Signale, die von

den Unternehmen nicht ernst genommen werden.


Kommunikative Überforderung in Krisensituationen

aufgrund mangelnder Vorbereitung


Notwendigkeit von Früherkennungssystemen

(Issuesmanagment)

Issues

Themen,
• die eine Organisation

tatsächlich oder potenziell

betreffen,


• die mit unterschiedlichen

Ansprüchen aufseiten der

Organisation und aufseiten

der Stakeholder belegt sind,


• die Konfliktcharakter und

Risiko-, aber auch

Chancenpotenzial haben und


• die von öffentlichem

Interesse sind.

Issues Management

lässt sich definieren als ein systematisches Verfahren, das
durch koordiniertes Zusammenwirken von strategischen Planungs- und

Kommunikations- Funktionen interne und externe Sachverhalte, die eine

Begrenzung strategischer Handlungsspielräume erwarten lassen oder ein

Reputationsrisiko darstellen, frühzeitig lokalisiert, analysiert, priorisiert und aktiv

durch Maßnahmen zu beeinflussen versucht sowie diese hinsichtlich ihrer

Wirksamkeit evaluiert“


→ Informationssystem zum rechtzeitigen Erkennen von Risiken und Konflikten


Ziele

▪ Themen, die Einfluss auf die Reputation des Unternehmens haben können,

sollen frühzeitig erkannt werden.


▪ So können Marktchancen identifiziert und genutzt werden.


▪ Die Entwicklung der öffentlichen Diskussion kann durch Issues Management

frühzeitig beeinflusst werden.

The 4P-Precrisis Management Framework (Vor der Krise)

Prevention: Aufbau einer kommunikativen und kooperativen
Unternehmenskultur; Etablierung einer offenen Fehlerkultur


▪ Prescreening: Früherkennungssysteme etablieren und kontinuierlich

prüfen (Issuesmanagment)


▪ Proactive Communication: Angemessene Risikokommunikation

(Informationsvermittlung, Sensibilisierung, Verhaltensanweisungen,

Partizipation, Akzeptanz), Aufbau einer positiven Reputation und

Vertrauen durch geeignete Kommunikation von CSR-Maßnahmen

(Buffering-Effekte)


▪ Preparation (vorbereitende Maßnahmen): Erstellung von

Krisenplänen (verschiedene Szenarien, da Zeit- und

Entscheidungsdruck schnelles Handeln erfordern), Krisenübungen

und Medientrainings mit allen relevanten Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern

Was sind die zwei Ursachen von (Unternehmens-) Krisen?

Endogene Ursachen: Im Unternehmen selbst entstanden, verantwortlich
Exogene Ursachen außerhalb des Unternehmens

Was sind Kennzeichen der aktuten Krisenohase?

▪ ansteigendes Interesse der Medien und der Öffentlichkeit
▪ Auftreten weiterer Anspruchsgruppen

▪ Unmittelbarer Handlungsdruck

▪ Sinkender Handlungsspielraum

▪ Zunehmender Zwang, reaktiv statt aktiv zu handeln

▪ Zunehmende ökonomische Belastung (hohe Kosten)

▪ Hohe Unsicherheit

▪ Durchbrechen von Alltagsroutinen

Was sind in der akuten Phase der Krisenkommunikation Form und Inhalt?

Form: Art und Weise der Kommunikation mit Stakeholdern – möglichst schnell, konsistent und transparent, um Verantwortungsbewusstsein zu signalisieren, frühzeitige Mitbestimmung von Deutungsmustern zu
ermöglichen und Glaubwürdigkeitsverluste zu verhindern


▪ Inhalt 1: Verhaltensinstruktionen und Informationen zur (psychologischen) Verarbeitung der Krise;

Informationen darüber, …

▪ …was passiert ist

▪ …was in die Wege geleitet wird, um die aktuellen Probleme zu beheben

▪ …was getan wird, um zukünftige Krisen dieser Art zu vermeiden

▪ …dass sich das Unternehmen um die Opfer kümmert


▪ Inhalt 2: Auswahl geeigneter rhetorischer Strategien

Krisenkommunikationsstrategien:

Deny (Leugnen):
- Denial (Management streitet Existenz der Krise ab)

- Scapegoat (Andere Akteure außerhalb der Organisation werden beschuldigt)

- Attack the Accuser (Gruppe bzw. Personen, die der Organisation etwas vorwerfen, werden zur Rede gestellt)


Diminish (Abschwächen):

- Excuse (Krisenverantwortung wird heruntergespielt durch Hinweise auf mangelnde Kontrolle über die Krise oder Behauptung, dass keine Intention bestand, die Krise auszulkösen.)

- Justification (Wahrgenommener Schaden der Krise wird abgeschwächt)


Deal (Aushandeln):

- Integration (Einschmeicheln bei Stakeholdern oder Hinweise auf gute Taten in der Vergangenheit)

- Concern (Ausdruck der Besorgnis für die Opfer der Krise)

- Compassion (Geldzahlungen oder andere Geschenke der Krise)

- Regret (Management drückt Bedauern aus)

- Apology (Management akzeptiert die Verantwortung und bittet um Vergebung)

Beschreibe die Krisenkommunikation in der akuten Phase Schritt für Schritt.

1. Ausgangspunkt: Krise
Eine Krise tritt ein → Organisation steht unter öffentlicher Beobachtung.


2. Erste kommunikative Priorität

Verhaltensin­struktionen und psychologische Unterstützung der Stakeholder

Ziel:

* Sicherheit geben

* Orientierung bieten

* Ängste reduzieren

Das hat Vorrang vor Imagepflege.


3. Zentrale Wahrnehmung: Verantwortungszuschreibung

Stakeholder versuchen zu klären:

> Wer ist schuld an der Krise?

(Bestimmung der Ursachen- und Verantwortungszuschreibung durch Stakeholder)


Einflussfaktoren auf die Verantwortungszuschreibung


Diese Faktoren beeinflussen, wie stark die Organisation verantwortlich gemacht wird:


Krisenhistorie der Organisation

→ Gab es ähnliche Krisen schon früher?


Reputation / Stakeholderbeziehungen vor der Krise

→ Vertrauensbonus oder -defizit?


Bestimmung des Krisentyps

→ z. B. Opferkrise, Unfallkrise, vermeidbare Krise


Kausalrelevante Informationen

Konsens, Distinktheit, Konsistenz


4. Auswahl der Krisenkommunikationsstrategie


a) Starke Verantwortungszuschreibung

Hohe Verantwortungsakzeptanz nötig


b) Geringe Verantwortungszuschreibung

Geringe Verantwortungsakzeptanz


5. Übergeordnetes Ziel

Schutz der Organisationsreputation


Reputationsschäden minimieren

Vertrauen langfristig sichern

Medienberichterstattung über Krisen

▪ Hoher Nachrichtenwert: Unternehmenskrisen haben
einen hohen Nachrichtenwert, weshalb sie häufig in

den Medien thematisiert werden. Der

Nachrichtenwert beschreibt, wie stark ein Ereignis

von Journalist*innen als berichtenswert

wahrgenommen wird.


▪ Nachrichtenfaktoren: Negativität, Relevanz,

Reichweite, Schaden, Überraschung sowie Nähe und

Personalisierung steigern die Berichterstattung.


▪ Auswirkung: Durch die Berichterstattung können

Medien als Krisenverstärker wirken und die

Wahrnehmung innerhalb und außerhalb des

Unternehmens beeinflussen.

Interne Krisenkommunikation

Definition: Kommunikative Interaktion zwischen
Führungskräften und Mitarbeitenden vor, während und nach einer Krise


Bedeutung: Mitarbeitende sind entscheidend in Krisenzeiten – sie verarbeiten Informationen, beeinflussen Entscheidungen und wirken als Multiplikatoren.


Empirie: 67 % der (dänischen) Unternehmen haben externe Krisenpläne, aber nur knapp ein Drittel interne Strategien


Schnittstelle intern extern: Interne Kommunikation bleibt nicht isoliert; sie „leakt“ nach außen, während externe Berichterstattung die interne Wahrnehmung beeinflusst

Merkmale der Nach-Krisen-Phase

▪ Abnehmendes Interesse der Medien und der Öffentlichkeit
(Verschiebung zu anderen Themen)

▪ Nachlassender unmittelbarer Handlungsdruck

▪ Wieder zunehmender Handlungsspielraum

▪ Übergang von reaktivem zu stärker proaktivem Handeln

▪ Konsolidierung der Anspruchsgruppen

▪ Stabilisierende ökonomische Effekte (Kosten bleiben, aber werden kalkulier- und steuerbar)

▪ Abnehmende Unsicherheit (klarere Informationslage, belastbarere Entscheidungen)

▪ Wiederherstellung von Routinen (neue oder angepasste Alltagsprozesse etablieren sich)


→ Übergang zu reparativen und regenerativen Maß

-> Krise als Chance zu positiven Verönderungen

Beziehungspflege bei Krisennachsorge

▪ Interne Stakeholderpflege (interne Nachbesprechung, Belastbarkeit)

▪ Externe Stakeholderpflege (Bereitstellung relevanter Informationen an Journalist*innen, Kund*innen und andere externe Gruppen; Anschlusskommunikation mit Krisen-Stakeholdern zur weiteren Bewältigung und Nachbearbeitung der Krise; regelmäßige Updates auch in symbolisch-relationaler Hinsicht (z. B. Gedenkveranstaltungen, Kommunikation von Entschädigungen und Wiederaufbauhilfen).

Anpassung für zukünftige Krisen:

▪ Erkenntnisgewinn, um besser auf ähnliche Situationen vorbereitet zu sein
▪ Identifizierung bewährter Verfahren

▪ Erarbeitung neuer und Anpassung alter Krisenabläufe und -pläne

Evaluation der Krisenkommunikation:

▪ Welche Botschaften wurden verbreitet (Input)?

▪ Wurden die Botschaften an die relevanten

Stakeholder verbreitet (Output)?


▪ Wurden die Botschaften und Strategien verstanden

und die intendierte Wirkung erzielt (Outcome)?


▪ Was konnte die strategische Krisenkommunikation

zur Sicherung der strategischen Ressourcen (z. B.

Bestimmung der krisenbedingten Kosten im Vergleich zu ähnlichen Krisenfällen) beitragen (Outflow)?

Grassroot Lobbying

Rekrutierung von Unterstützern, um öffentliche Unterstützung für eine Sache zu signalisieren und so Druck auf Entscheidungsträger aufzubauen

Mischtyp aus Lobbying (auch direkte Ansprache der Entscheidungsträger ohne Umweg über Massenmedien) und Public Campaigning

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